Grundsteinlegung Gnadenkirche

Grundsteinlegung Gnadenkirche

Im Jahr 2019 feiert unsere Gnadenkirche Rosenau ihren 60. Geburtstag!

Zur Grundsteinlegung am 11. Mai 1958 waren Bischof May und Superintendent Mensing-Braun angereist. Der Ortspfarrer, Mathias Schuster, lag zu diesem Zeitpunkt nach einem Unfall im Krankenhaus.

Damals wurde eine Grundsteinlegungsurkunde in einer Art Zeitkapsel in den Kirchenbau eingefügt. Hier, aus Anlass des Jubiläums, der Wortlaut dieser Urkunde:

Unter der Amtsführung des Bundespräsidenten Dr. Adolf Schärf der Bundesrepublik Österreich, des Landeshauptmannes Dr. Heinrich Gleißner des Bundeslandes Oberösterreich, unter der Obhut des hochwürdigen Bischofs D. Gerhard May, unter der wirksamen Förderung des unter der Leitung des Sektionschefs Dr. Otto Fischer und Oberkirchenrats Adolf Künzel stehenden Gustav Adolf Vereines in Österreich sowie des Superintendenten für Oberösterreich, Salzburg und Tirol Wilhelm MensingBraun im Zusammenwirken mit Senior Hans Neumayr und während der Amtstätigkeit des Ortspfarrers Mathias Schuster, ist es der Evangelischen Pfarrgemeinde A. B. Lenzing-Kammer vergönnt, am 11. Mai 1958 den Grundstein der ersten evangelischen Kirche im Gemeindezentrum Rosenau zu legen.

Wenn auch die heutige Pfarrgemeinde ihren Bestand erst vom 13. Juli 1954 an datieren kann, so steht sie doch auf einem Boden, der reich an evangelischer Tradition ist.

Bereits am 16. Juni 1525 werden in einer Bauernversammlung in Frankenmarkt, an der auch Schörflinger Bauern teilnahmen, die Schriften Luthers wirksam. 1524 erfolgten im Benediktinerstift zu Mondsee die ersten Austritte. Cyriak von Polheim, welcher 1512 seinem Vater Wolfgang Polheim in der Verwaltung der kaiserlichen Herrschaft von Kammer folgt, ist ein eifriger Anhänger Luthers und läßt seine Kinder in Wittenberg studieren. Er setzte auch den ersten evangelischen Pfarrer in Schörfling ein. Ebenso tat auch sein Sohn Weikhart, der die Herrschaft Litzlberg kaufte.

Durch die Gegenreformation wurde das Evangelium in diesem Gebiet fast zu völligem Erlöschen gebracht. Von den sieben Bauernhöfen, die sich auf dem Gebiete unserer Pfarrgemeinde befinden, scheint der Pöllhof in Witzkirchen, dem heutigen Ulrichsberg, der älteste zu sein. Er kam zu Beginn des 19. Jahrhunderts in evangelischen Besitz. Die markanteste altprotestantische Familie unserer Pfarrgemeinde ist die Familie August Mayer aus Schörfling, dessen Großvater Johann Mayer 1845 aus Rutzenmoos zuwanderte. 1891 hatte Emil Hamburger, er war evangelisch, in Lenzing eine unter den Hammer gekommene Säge u. Mühle erworben und dort eine kleine Zellulosefabrik errichtet, aus der sich schließlich die jetzige Papierfabrik entwickelt hat. Dadurch ließen sich vereinzelt Beamte, meistens Reichsdeutsche, in Kammer und Seewalchen nieder. Ebenso kamen vereinzelt Kaufleute und Handwerker. Als 1939 die Zellwollefabrik in Lenzing und die dazugehörende Arbeitersiedlung entstand, zogen evangelische Angestellte und Arbeiter, meistens aus Deutschland und nur vereinzelt aus den übrigen Teilen Österreichs, zu. Während des Zweiten Weltkrieges erfolgte der große Zuzug evangelischer Heimatvertriebener aus dem Südosten, besonders aus Siebenbürgen. Im Lenzinger Gemeindegebiet siedelten hauptsächlich Gemeindemitglieder, die aus OberEidisch stammen. Sie wurden bereits 1944 hierher eingewiesen. Vereinzelt noch die Gemeinden Nieder-Eidisch, Bistritz, Drans, Felldorf und Maniersch vertreten. Im Gemeindeteil Gampern war die siebenbürgische Gemeinde Schönbirk geschlossen angesiedelt. Acht Familien haben sich in der Ortschaft Baumgarting niedergelassen. In dem Gemeindeteil Kammer-Schörfling und Seewachen sind hauptsächlich die siebenbürgischen Gemeinden Weilau, Rode, Tekendorf vertreten. Sie kamen im Herbst 1944 nach Niederösterreich und wurden durch das Vordringen der Russen weiter nach dem Westen abgeschoben. Sie wurden in Erdhütten in Pöndorf bei Frankenmarkt und dann im Herbst 1945 in den beiden Barackenlagern Kammer und Seewalchen untergebracht. 1955 erwarben 70 Familien einen Baugrund in Seewalchen und es entstand der erste Anfang der Ortschaft Rosenau. 1956 erfolgte die erste und 1957 die zweite Erweiterung, so daß sie gegenwärtig 134 Baustellen zählt. 63 Häuser sind bereits im Rohbau fertiggestellt. Eben werden Verhandlungen zur dritten Erweiterung geführt.

In Kammer bestand bereits 1931 eine Predigtstelle. Unter schwierigen Bedingungen hatten die ganz wenigen Gemeindeglieder in Schörfling einen Kirchenbaugrund käuflich erworben. Der geplante Kirchenbau wurde durch die Ereignisse von 1938 und den bald darauf ausgebrochenen Krieg leider vereitelt. 1945 entstand dann auch in Lenzing eine feste Predigtstelle. Sie wurde von den beiden Pfarrgemeinden Attersee und Vöcdabruck betreut.

Nachdem mit Erlaß des Oberkirchenrates (Zahl: 3895/52) vom 15. Mai 1952 in Kammer eine Tochtergemeinde errichtet worden war, wurde in einer gemeinsamen Besprechung der Presbyterien von Vöcklabruck, Attersee und Kammer, die am 7. Februar 1954 unter Vorsitz von Superintendent Wilhelm Mensing-Braun, sowie unter Beisein des Seniors Hans Neumayr in Kammer stattfand, der Entschluß gefaßt, durch Zusammenlegen der Tochtergemeinde Kammer und der Predigtstation Lenzing eine selbständige Gemeinde zu gründen. – Mit Erlaß (Zahl: 4829/54) vom 13. Juli 1954 hat der evangelische Oberkirchenrat A. B. die Errichtung der Evangelischen Pfarrgemeinde A. B. Lenzing-Kammer beschlossen. Mit Erlaß 1436155 vom 23. Februar 1955 wurde Mathias Schuster, gebürtig aus Bußd bei Mühlbach in Siebenbürgen, zum ersten Pfarrer oberstkirchlich bestätigt. Am 15. Mai 1955 nahm Senior Hans Neumayr im Rittersaal des einst evangelischen Schlosses Kammer die feierliche Pfarreinführung vor.

In der Sitzung vom 23. Januar 1955 beschloß die Gemeindevertretung unter dem Vorsitz von Superintendent Wilhelm Mensing-Braun, in dem im Entstehen begriffenen Ort Rosenau in Seewalchen den Grund zur Errichtung des evangelischen G~meindezentlrums käuflich zu erwerben.

In der Sitzung vom 30. Juli 1955 beschloß die Gemeindevertretung ein provisorisches Gemeindezentrum, bestehend aus einer Barackenkirche, einem Gemeinderaum, den Wohnungen des Pfarrers, des Küsters, und der Gemeindeschwester, die ebenfalls in einer Baracke unterzubringen sind, in Rosenau zu errichten.

Am 24. Juni 1956 erfolgte die Einweihung der Notkirche und im Oktober desselben Jahres wurden die Wohnungen bezogen. Am 20. Januar 1957 beschloß die Gemeindevertretung die Grundfesten der Kirche und des Turms zu errichten. Die Pläne für das Gemeindezentrum hat der Architekt Dipl. Ing. Hubert Taferner aus Linz entworfen und gezeichnet und ebenso ist ihm die Oberleitung für den Bau übertragen worden. Die Bauführung hat der Baumeister Hans Schrödl aus Vöcklabruck übertragen bekommen.

Für das Jahr 1958 ist die Fertigstellung des Rohbaues der Kirche und des Turmes vorgesehen.

In stattlicher und eindrucksvoller Form soll das neue Gotteshaus auch rein baulich den Mittelpunkt, des im Entstehen begriffenen evangelischen Ortes Rosenau, bilden. Gott, der Herr aber, an dessen Segen alles gelegen ist, gebe zu unserem Wollen das Vollbringen nach seinem Wohlgefallen.

So gelte denn für Bodenständige und Heimatvertriebene unserer Pfarrgemeinde das Apostelwort aus Epheser, 2, 19 und 20: »So seid ihr denn nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Bürger mit den Heiligen und Gottes Hausgenossen, erbaut auf dem Grund der Apostel und Propheten, da Jesus Christus der Eckstein ist«. Amen.