Der Talar

Der Talar

Wissenswerte  Dinge über den Talar in der evangelischen Tradition

Der schwarze Talar mit weißem Beffchen der evangelischen Pfarrerinnen und Pfarrer, wie er heute in den meisten Landeskirchen Tradition ist, geht NICHT auf Luther zurück! Luther selbst nämlich trug im sonntäglichen Gottesdienst die Gewandung, die die Geistlichen seiner Zeit auszeichnete: Chorhemd und Kasel. Nur zur Predigt legte er, sichtbar für die gesamte Gemeinde, das Messgewand ab und sprach in der Alltags-Standeskleidung weiter zum versammelten Volk. In seinem Fall war das zunächst die Ordenskleidung der Augustiner und nach seinem Ausscheiden aus dem Kloster das vornehme Professorengewand seiner Zeit, die schwarze sogenannte Schaube.  In anderen Gegenden, wo beispielsweise die Reformatoren Calvin und Zwingli wirkten, wurde dagegen viel radikaler mit der liturgischen Kleidung der Priester der römisch-katholischen Kirche gebrochen und schon früh in dunklen Gewändern Gottesdienst gehalten.

Talarschwarz

Die Idee des schwarzen Talars ist es, das Wort Gottes in den Mittelpunkt zu stellen. Nichts, auch nicht die Kleidung des Geistlichen, soll vom Wort Gottes ablenken. Deshalb hielt man das unauffällige Schwarz für die geeignete Farbe.

Für die weite Verbreitung des schwarzen Talars verantwortlich ist der preußische König Friedrich Wilhelm III. Der Preußenkönig war der Auffassung, mit dem von ihm entworfenen Talar die legitime liturgische Kleidung der Reformationszeit wiederherzustellen. Als Vorlage dienten ihm Abbildungen von Luther und anderen Reformatoren, die diese in der talarähnlichen schwarzen Schaube zeigten. Laut dem Theologen und Autor Walter Lotz prüfte er diese Bilder weder auf ihre historische Echtheit, noch fragte er danach, ob die Reformatoren die schwarzen Gewänder auch im restlichen Gottesdienst, nicht nur bei der Predigt (und im Alltag) trugen.

Wilhelm III. verfügte schließlich 1811 für die preußischen Stammlande die Einführung des Talars als „Arbeitsuniform“ für alle seine Beamten. 1817 wurde diese Verfügung dann auch auf sämtliche Länder unter preußischer Regierung ausgedehnt. Der König wollte damit der Uneinheitlichkeit und Willkür gerade bei den evangelischen Geistlichen in seinem Reich einen Riegel vorschieben. Die trugen nämlich damals, was gerade en vogue war und  ihnen gefiel.

Die Anzahl der Knöpfe beim klassischen preußischen Talar entspricht der Anzahl der Bitten im „Gebet des Herrn“. So kann der Pfarrer beim Talaranziehen vor dem Gottesdienst  das Vaterunser beten.

Trotzdem gibt es bis heute Unterschiede bei den Talaren. Je nach Region oder Landeskirche gibt es zum Beispiel Samtsättel, Ziernähte oder eine gesmokte, mit der Hand ungleich gezogene Fältelung. So entstanden nach und nach die preußische, sächsische, schlesische, pfälzische, kurhessen-waldecksche, hannoversche und württembergische Form des Talars. In Hamburg beispielsweise gibt es zudem die Sonderform des in Ober- und Untergewand geteilten Ornats. Dort verzichtet man auch traditionell auf die Beffchen und trägt stattdessen die sogenannte Mühlsteinkrause.

Auch die Beffchen lassen sich differenzieren: hier gibt es lutherische (ganz geteilt), reformierte (zusammengenäht) und unierte (halb geteilt). Ursprünglich sind die Beffchen entstanden, um die Kleidung vor dem der Mode entsprechend gepuderten Bart zu schützen. Die Puderflecken machten sich unschön auf den schwarzen Talaren – Beffchen oder Halskrausen (z.B. in Hamburg) waren also ein reiner Fleckenschoner.

(nach Claudius Grigat, evangelisch.de)