Die Reformation kommt von Gott

Die Reformation kommt von Gott

DIE REFORMATION KOMMT VON GOTT

Superintendent Dr. Gerold Lehner spricht über die Ökumene und das Reformationsjubiläum 2017.
(Aus einem Interview der katholischen „KirchenZeitung im Netz“ mit Superintendent Dr. Gerold Lehner. Den gesamten Artikel können sie hier nachlesen.)

Mit Blick auf das Luther-Jubiläum 2017 – in die Erinnerung an Thesenanschlag vor 500 Jahren – scheinen die ökumenischen Bemühungen […] an Fahrt aufzunehmen …
Das ist gut so. Denn aus meiner Sicht wird 2017 eine Art Scheidepunkt. Wird 2017 für die Ökumene ein Meilenstein oder ein Stolperstein? Wir werden 2017 stark in der Öffentlichkeit stehen und die Frage wird thematisiert werden: Wie gehen die christlichen Kirchen mit der Trennung um? Sind sie in der Lage, diese aus dem Geist des Evangeliums heraus, auf das sie sich ständig berufen, zu überwinden? Wenn wir das nicht schaffen, wird’s nicht einfach so bleiben, wie es ist, sondern der Spalt wieder größer werden. 2017 ist wirklich wichtig.

Was ist 2017 zu tun, was wollen Sie tun?
Ich habe vier Punkte: Die katholische Kirche müsste anerkennen, dass in und mit der Reformation – ich sage es ganz theologisch – Gott an dieser katholischen Kirche in Gericht und Gnade gehandelt hat. Das heißt: Die katholische Kirche war in einem Zustand, der zum Teil ihr Kirchesein gefährdet hat, in dem sie mit ihrer Praxis an manchen Punkten das Evangelium verdunkelt hat. Das bedeutet, dass die Reformation nicht willkürlich war, sondern von Gott gekommen ist. So wie die Propheten das Volk Israel auf ihr Versagen hingewiesen haben, so hat die Reformation an der Kirche gehandelt. Das ist tatsächlich etwas, was die katholische Kirche anerkennen müsste.

Durch die Reformation ist die Freude des Glaubens, die Gnade Gottes, die unverdiente Barmherzigkeit wieder viel klarer geworden, strahlender.
Was ist der zweite Schritt?
Dann müsste die evangelische Kirche anerkennen – und das ist unbestritten –, dass der Bruch ein unheilvoller war, dem Sein und dem Auftrag der Kirche widerspricht. Diesen Punkt darf man nicht verschweigen. Der Bruch hat in seinen Auswirkungen viel Leid gebracht und beide Seiten haben Schuld auf sich geladen.

Ist 2017 ein Jubiläums- oder ein Bußjahr?
Der erste Punkt hat viel mit Freude und Dankbarkeit zu tun – deshalb könnte man 2017 durchaus von einem „Jubiläum“ reden. Der zweite und dritte Punkt, auf die ich nun komme, haben mit Besinnung, Selbstkritik und, wenn man so will, Buße zu tun. Denn drittens müssten beide Seiten bekennen, dass der Eifer für die Wahrheit nicht immer nur ein Eifer für die Wahrheit war. Die Auseinandersetzungen wurden meist nicht im Geist der Liebe geführt. Man hat aufeinander „hingeprügelt“ in einer Form, die schlicht indiskutabel war.

Und was ist das Ergebnis dieser Besinnung?
Aus dem resultierend müssten beide Kirchen bekennen, dass sie die von Gott in Einheit gestiftete Kirche nun entschiedener verwirklichen wollen, weil sie darin das Gebot ihres Herrn erkennen. Diese vier Punkte liegen als ökumenisches „Arbeitsprogramm“ für 2017 vor uns.