Du lebst auch für die Menschen nach dir - Andacht zu Allerheiligen 2019

Du lebst auch für die Menschen nach dir – Andacht zu Allerheiligen 2019

Spr 623 Was Vater und Mutter dir beibringen, ist wie eine helle Lampe für deinen Weg. Wenn sie dich ermahnen und zurechtweisen, leiten sie dich an zu einem erfüllten Leben.

Spr 1520 Ein verständiger Sohn macht Vater und Mutter Freude; ein Dummkopf macht sich über sie lustig.

Spr 2322 Achte deinen Vater und deine Mutter, du verdankst ihnen das Leben! Hör auch dann noch auf sie, wenn sie alt geworden sind.

 

Liebe Friedhofsbesucher! Liebe Friedhofsbesucherinnen!

Wir denken an die Menschen, die hier in den Gräbern liegen. Dazu gehören Kinder und Partner, vor allem aber Eltern und Großeltern. Sie alle haben unseren Lebensweg mitbestimmt und unser Verhalten mitgeprägt. Vielleicht geht es Ihnen auch so, dass sie manchmal einen Satz sagen und sich dann denken: Der hätte von meiner Mutter, meinem Vater sein können.

Viele, die hier ruhen, wuchsen auf in eigenen Häusern mit Garten und Feldern in Siebenbürgen. Mitten in ihrer Jugend, in ihrem Leben wurde ihnen das genommen. Ja, es war für sie sogar noch ein Glück, dass sie haben fliehen können. Arm, Obdach-los, der Heimat entrissen haben sie hier noch einmal neu beginnen müssen, haben sie ein Jahrzehnt in Holzbaracken gelebt, im Winter innen das Eis, im Sommer stickig.

Gerade in den schweren Zeiten war es ihr Glaube, der sie da durch und weiter getragen hat. Gestärkt hat sie auch der Wunsch, euch, den Nachkommen, ein besseres Leben zu ermöglichen. Sie haben nicht nur an sich gedacht, als sie ihre Häuser, unsere Kirche, diesen Friedhof errichtet haben. Sie haben gelebt und gearbeitet auch für das, was nach ihnen sein wird, auch für die, die nach ihnen sein werden. Also für uns!

Sie haben weitergedacht als nur an sich selbst. Tun wir das auch? Fragen wir uns manchmal, ob das, was wir tun, auch unseren Enkeln und Urenkeln helfen wird, ob es bleiben wird? Immer mehr Menschen stellen sich heute die Frage: Wie wird die Welt sein, die wir unseren Kindern und Enkeln hinterlassen?

Es sind zwei Fragen, die ich hier inspiriert von den biblischen Worten stellen möchte:

  1. Wie gehen wir um mit dem, was unsere Vorfahren uns gelehrt und vorgelebt haben. Verwerfen wir es als alt und vergangen, oder bemühen wir uns, das Gute weiterzutragen.
  2. Die zweite Frage ist: Leben wir nur für uns oder leben wir auch für die Menschen, die nach uns sein werden? An wen denken wir, wenn wir unsere Entscheidungen treffen. Nur an uns selbst?

Wie wenig Früchte würden wir ernten, hätten nicht Menschen vor uns die Bäume gepflanzt. Nämlich nicht für sich, sondern auch und vor allem für die Menschen nach ihnen.

Wer wir sind, sind wir auch durch die Menschen, derer wir hier gedenken. Die Bibel erinnert uns daran, das Gute, auch den Glauben unserer Eltern, zu bewahren, und selber Gutes weiterzugeben.

Amen.

(Andacht von Pfarrer Fraiss Allerheiligen 2019 in der Rosenau, in Gampern und in Lenzing.)