Gedenkgottesdienst 70 Jahre Evakuierung aus Siebenbürgen

An die Evakuierung aus Siebenbürgen im September 1944 wurde am Samstag, 27. September 2014  in der Welser Stadthalle gedacht. Rund 400 Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen, um der gemeinsamen Geschichte zu gedenken. Unter den Gästen, die aus Siebenbürgen, Deutschland, den USA und ganz Österreich anreisten, waren auch der siebenbürgische Bischof Reinhart Guib, Bischof Michael Bünker und Oberösterreichs Landeshauptmann Josef Pühringer.

„Die Evangelische Kirche hat die Heimatvertriebenen aufgenommen und ihnen tatkräftig geholfen, in Österreich eine neue Existenz aufzubauen. Dankbar sehe ich im Rückblick, wie durch das Zusammenwachsen verschiedener Kulturen beide Seiten bereichert worden sind. Dieses Beispiel verpflichtet uns auch heute, Flüchtlingen mit Hilfsbereitschaft und Menschlichkeit zu begegnen und uns nicht vor der Not der Menschen, die zu uns kommen, zu verschließen“, sagte Bischof Bünker in seinem Vortrag beim Festakt. Landeshauptmann Pühringer erinnerte daran, dass sich die Heimatvertriebenen entscheidend in den Wiederaufbau des Landes nach dem Krieg eingebracht haben. „Heimatvertriebene Flüchtlinge und Aussiedler haben in Oberösterreich einen hohen Stellenwert. Sie haben zum Wirtschaftswachstum mit ihrer Tatkraft, ihrem Wissen und Können beigetragen und Oberösterreich mit nach vorne gebracht“, erklärte Pühringer vor den zahlreichen Gästen.

Anlässlich der Festveranstaltung wurde auch eine Ausstellung in der Stadthalle Wels eröffnet. Gezeigt wurden die Dokumentation „Evakuierung und Flucht“ der Heimatortsgemeinde Bistritz-Nösen sowie die Retrospektive „Glauben und Gedenken“ der Evangelischen Kirche in Rumänien. Die Ergänzung durch „Stumme Zeugen“ jener schweren Jahre von Bundes-Frauenreferentin Ingrid Schuller bereicherte die Ausstellung um eine weitere Facette. Horst Göbbel aus Nürnberg führte in die Dokumentation ein, Stefan Cosoroaba präsentierte bei der Eröffnung grenzüberschreitende Projekte. Auch zwei Bücher wurden vorgestellt: der Katalog zur dokumentarischen Ausstellung sowie „Not und Neuanfang: Die Evangelische Kirche und ihre Siebenbürger Sachsen“ von Pfarrer Volker Petri, Bundesobmann der Siebenbürger Sachsen in Österreich.

Der vorgeführte Film „Rückblick und Bestandsaufnahme 1944-2014“ fasste die 70-jährige Geschichte in Bildern und Worten zusammen und ließ den Neuanfang und die Heimatfindung der Siebenbürger Sachsen nacherleben. Für Technik und Bilderauswahl sorgte Rolf Morenz, das Konzept von Bundes-Ehrenobmann Fritz Frank und die Texte von Volker Petri ermöglichten einen audiovisuellen Rückblick. Vielfältige Volkstänze unterschiedlicher Tanzgruppen sowie die Welser Kindertanzgruppe waren kultureller Höhepunkt der Gedenkveranstaltung.

Den Abschluss fand das Treffen mit einem Festgottesdienst am Sonntag, 28. September in unserer Gnadenkirche. Bischof Bünker sprach Worte zum Evangelium, Bischof Guib hielt die Predigt. Pfarrer Fraiss gestaltete die liturgischen Elemente, u.a. die Fürbitten, die von drei Personen gebetet wurden, die selbst bei der Flucht dabei waren. Der Kirchenchor sorgte für die musikalische Gestaltung.

Beim anschließenden erweiterten Kirchenkaffee durfte Kurator Franz Peter Seiler zahlreiche Gäste begrüßen, die mit Kuchen und Kaffee und mit der „weltmeisterlichen“ Siebenbürgischen Krensuppe verpflegt wurden, bevor sie die teilweise weite Heimreise antraten.

Am Nachmittag wurde die rumänische Delegation aus Bistritz noch mit einer Attersee-Rundfahrt beglückt. Bürgermeister Ovidiu Creţu war mit seiner Delegation anlässlich der Unterzeichnung der Städtepartnerschaft zwischen Wels und Bistritz Gast der Stadt Wels (Bürgermeister Koits) und des Landesverbands der Siebenbürger Sachsen in OÖ (Landesobmann Manfred Schuller).

Quellen: epd, Land OÖ, Text: Franz Peter Seiler, Foto: Rolf Morenz