Jesus zieht in Jerusalem ein

Im Kindergottesdienst wurde heute diese Geschichte erzählt und mit selbst gemachten Puppen nachgespielt:

Es lebte einmal ein kleiner Junge namens Jonas in der Nähe von Bethanien. Sein Vater ist ein kleiner Händler, der zwei Eselchen besitzt. Frühmorgens weckt der Vater den Buben und sagt zu ihm: «Jonas, geh, gib der Eselin ein wenig Heu und lass sie auf die Weide. Ich möchte heute ohne die beiden meine Dinge auf dem Markt verkaufen gehen. Wenn du Lust hast, darfst du gerne mitkommen. In einiger Zeit ist das große Passahfest, da benötigen die Menschen in Jerusalem viel von meinem frischen Gemüse. Es wird sicher ein guter Tag werden.»
Jonas geht mit der Eselin und seinem Füllen Sabah auf die Weide hinter dem Haus. Behutsam tätschelt er dem Tier den Hals und sagt: «Ja, Suleika und Sabah, freut euch! Springt nur munter herum, damit ihr wieder Spaß habt, mit dem Vater auf den Markt zu gehen.» Jonas geht zu seinem Vater zurück: «Vater, wann darf ich aber endlich auf Sabah reiten? Du hast es mir versprochen!» – «Ach Jonas, gedulde dich noch ein paar Tage. Die Zeit ist noch nicht reif. Komm jetzt, wir nehmen den kleinen Handkarren und beladen ihn mit dem frischen Gemüse.» Jonas
geht mit dem Vater mit. Unterwegs erzählt ihm der Vater vom Propheten Sacharja: «Jonas weisst du eigentlich, dass unser Prophet Sacharja unserem Volk erzählt hat, dass einmal ein König nach Jerusalem kommen wird, der uns Mut und Hoffnung macht, weil er der Friedenskönig ist? Da soll unser Volk jubeln und sich freuen über die Ankunft des Königs, der uns allen Frieden bringen wird und uns von der Unterdrückung der römischen Herrscher befreien wird.» – «Ja, Vater, das hast du schon oft erzählt. Ich weiß nur nicht, woran wir den König erkennen werden.» – «Das, lieber Jonas steht auch geschrieben. Es heisst, er werde auf einem Eselsfüllen in die Stadt reiten.» – «So eines, wie wir eins haben? Vater, unser Füllen Sabah ist doch einfach das schönste. So weiss, und es hat so ein weiches, warmes Fell. Vater, darum möchte ich doch endlich auch einmal auf ihm reiten!» – «Ach Jonas, so gedulde dich doch noch ein wenig.»
Der Gemüsehändler und sein Sohn Jonas konnten an diesem Tag viel ihrer Ware verkaufen.
Als sie am Abend zu Hause ankommen hat die Mutter die Eselin Suleika mit Sabah bereits in den Stall gestellt. Jonas schlüpft zu den beiden in den Stall und streichelt das kleine Füllen. Er hat es sehr lieb. Von dem langen Tag ist Jonas müde. Er schläft im Stroh bei dem Füllen ein. Am nächsten Morgen wacht Jonas auf. Er hört Stimmen, die sich dem Stall nähern. Blitzschnell ist Jonas aufgestanden. Zwei Männer kommen in den Stall. Rasch schlüpft Jonas durch das frische Heu nach draussen. «Vater, Vater, zwei Männer sind bei Suleika im Stall! Ich bin sicher, sie wollen unser Eselchen stehlen!» Augenblicklich ist der Vater im Stall. «He ihr zwei, warum bindet ihr denn unser Eselchen los?» – «Unser Herr hat uns hierher geschickt. Er hat uns geheissen, euer Eselchen zu holen. Er lässt ausrichten, dass er es brauche.» Der Vater bleibt sofort stehen und wird still: «Jonas, ihr Herr braucht es. Dann sollen sie es mitnehmen.» – «Aber wer ist den eurer Herr?», ruft Jonas. «Komm! Wir helfen den beiden erst- mal Sabah loszubinden. Ich werde dir nachher alles erklären.» Vater und Sohn führen das weisse Füllen mit dem weichen Fell aus dem Stall. Jonas stehen Tränen in den Augen. Lange schaut Jonas den beiden Männern nach. Als sie verschwunden sind schaut er seinen Vater an: «Vater, du hast mir versprochen, dass ich bald auf dem Eselchen reiten darf, und nun gibst du es diesen Männern mit.» – «Jonas, erinnerst du dich an die Geschichte, die ich dir gestern erzählt habe?» – «Ja, schon, aber was hat das damit zu tun, dass die beiden einfach Sabah mitnehmen?» – «Der Herr ist unser Befreier, auf den wir alle warten. Er befreit uns von allem, was böse ist, was Menschen verletzt, erniedrigt und tötet. Der Befreier, unser König, reitet auf einem Eselsfüllen.» – «Ja, heisst das, Sabah darf den König tragen, von dem du gestern gesprochen hast?» – «Genau so ist es.» – «Das verstehe ich nicht. Wichtige Menschen reiten doch auf Pferden und nicht auf Eseln.» – «Unser Befreier kommt nicht zum Kämpfen, sondern wird den Frieden bringen. Er ist unser Friedenskönig.» – «Das ist schön! Dann wird Sabah als erstes von einem Friedenskönig geritten! Aber wo reitet denn der Mann mit unserem Füllen hin?» – «Jonas: Komm, wir folgen den Männern nach Jerusalem. Wenn wir uns beeilen, können wie sie vielleicht noch einholen.»
So machen sich die zwei auf den Weg. Unterwegs schneidet der Vater noch ein paar Zweige von den Büschen ab. „Warum machst du das, Vater?“ – „Wir wollen unserem Befreier zuwinken mit diesen Zweigen. Und dann legen wir die Zweige auf den Weg, damit wir den Herrn ehren können.“
In Jerusalem herrscht ein großes Gedränge. Viel Volk hat sich versammelt und säumt die Straßen. Alle haben Zweige in den Händen. Manche haben ihre Zweige bereits auf den Weg gelegt. Jonas versucht mit seinem Vater einen Platz in der vorderen Reihe zu bekommen. Von weitem sehen sie ihr Eselfüllen Sabah. Es trägt einen Mann. Jonas stupst seinen Vater an: „Schau Vater, da vorne kommen sie.“
Weiter kommt Jonas nicht. Die Menschen um ihn herum stimmen ein Hosanna an. Je näher der Friedenskönig kommt, desto wilder winken die Menschen mit ihren Zweigen. Laut singt Jonas mit. Dann legt auch er seinen Zweig auf die Straße. Als das weiße Füllen mit dem Herrn vorbei kommt, sieht Jonas wie Sabah mit seinen Ohren spielt als ob es ihm zuwinkte.
Der Vater nimmt Jonas an der Hand und sagt zu ihm: „Nun wollen wir wieder nach Hause gehen. Unser Eselchen wird sicherlich auch bald zurück gebracht werden.“ – „Vater, was bedeutet eigentlich ‚Hosanna‘?“ – „Gesegnet sei, der da kommt im Namen des Herrn. Ich hoffe, dass nun alle Menschen verstehen, dass der Friedenskönig nun da ist.“

Quelle: Wege zum Kind 2/2006