Komasaufen und Papstwahl

Komasaufen und Papstwahl

Vor ein paar Jahren waren alle Zeitungen voll von einem schrecklichen, neuen Phänomen in der Jugend: Komasaufen. Mehr und mehr Jugendliche würden so lange trinken, bis sie das Bewusstsein verlieren.

Auf diese Flut von Berichten hin wurden Studien in Auftrag gegeben, deren Ergebnisse längst vorliegen: Die ganze Hysterie war grundlos. Es gab in den letzten Jahren keineswegs mehr Fälle von Alkoholmissbrauch bei Jugendlichen. Das einzige was zugenommen hatte, war die Vernunft der Freunde, die Betroffenen nicht irgendwo hinzulegen, sondern ins Krankenhaus zu bringen.

Also: Kein neues Problem, nur die ständigen Berichte in den Zeitungen haben das Gefühl vermittelt, es stünde so schlecht um unsere Jugend – und alle reden darüber.

Die Papstwahl ist dieser Tage groß im Gerede. Und wieder verdanken wir es den Medien, die groß darüber berichten. Da mutieren Leute aus dem eigenen Bekanntenkreis zu Papstexperten. Freunde, die schon lange keine Kirche mehr von innen gesehen haben. Die Medien helfen mit, das Thema groß zu machen.

Und wir? Machen wir mit? Lassen wir uns von Fernsehen und Radio sagen, was wichtig ist im Leben? Reden wir über Religion, wenn ein Papst stirbt, weil es da eben gerade Thema ist?

Oder haben wir den Mut, Religion auch dann wichtig und ernst zu nehmen, wenn gerade kein neuer Papst kommt, wenn niemand davon redet? Lassen wir uns die Themen und Fragen unseres Lebens von den Medien diktieren? Oder können wir noch völlig frei Antworten auf die Fragen unseres Lebens suchen?