Kurzpredigt von Erntedank: Wir müssen nicht alles schaffen

Kurzpredigt von Erntedank: Wir müssen nicht alles schaffen

Kurzpredigt vom Erntedankgottesdienst 2014 in der Gnadenkirche Rosenau
Pfr. Roman Fraiss über Ps 104.

Liebe Gemeinde!

Heuer haben unsere Landwirte einmal mehr erfahren, an welch dünnem Faden ihre Ernte hängt. Mit dem vielen Regen war es sehr knapp, die Ernte einzubringen bevor sie ihnen auf den Feldern verdirbt.

Das hat mir einer unserer Bauern diese Woche erzählt. Es hing die ganze Roggenernte eines Jahres davon ab, dass es an zumindest einem Tag trocken bleibt. Es war heuer ein Zittern. Es hörte nicht auf zu regnen. Schließlich hat ein trockener Tag alles gerettet. Zigtausend Euro. Ein Jahr Arbeit. Essen für so viele Menschen. Da wird man demütig. Da lernt man, dass es eben doch nicht nur an uns liegt. Da müssen wir auch bewusster zum Mehl und zum Brot greifen: Es ist nicht einfach da. Es ist uns, letztlich, geschenkt! Auch wenn wir dafür zahlen.

Auch dass wir gesund sind, ist ja nicht nur unsere Leistung. Gut, wir können etwas für unsere Gesundheit tun: gesund leben, uns bewegen, vorsichtig sein – und doch ist es nicht mein Verdienst, dass ich gesund bin und andere nicht.

Eine Sache ist deshalb sehr wichtig für unsere seelische, für unsere psychische Gesundheit: Dass wir unsere Begrenztheit anerkennen. Wir müssen verstehen, dass nicht alles an uns liegt. Wir dürfen, aber, vertrauen, dass es trotzdem gelingt. Es liegt nicht alles an uns. Wir können nicht alles schaffen. Wir müssen nicht alles schaffen!

Im Gegenteil: Wir dürfen sagen: „Ich tue, was ich kann. Bitte Gott, schenke mir, dass es trotzdem gelingt.“ „Ich tue, was ich kann. Bitte, Gott, schenke mir den Rest.“

Amen.