Nichts kann uns trennen von der Liebe Gottes

Nichts kann uns trennen von der Liebe Gottes

Predigt von Pfarrer Fraiss am 3. Jänner 2016 über Rö 8

31 Gott selbst ist für uns, wer will sich dann gegen uns stellen?

32 Er hat seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern hat ihn für uns alle in den Tod gegeben. Wenn er uns aber den Sohn geschenkt hat, wird er uns dann noch irgendetwas vorenthalten?

33 Wer kann die Menschen anklagen, die Gott erwählt hat? Gott selbst spricht sie frei.

34 Wer kann sie verurteilen? Christus ist für sie gestorben, ja noch mehr: Er ist vom Tod erweckt worden. Er hat seinen Platz an Gottes rechter Seite. Dort tritt er für uns ein.

35 Kann uns noch irgendetwas von Christus und seiner Liebe trennen? Etwa Leiden, Angst und Verfolgung, Hunger oder Kälte, Gefahren für Leib und Leben oder gar die Hinrichtung?

36 Es ergeht uns wirklich so, wie es in den Heiligen Schriften steht: »Weil wir zu dir, Herr, gehören, sind wir ständig in Todesgefahr. Wir werden angesehen wie Schafe, die zum Schlachten bestimmt sind.«

37 Aber mitten in alldem triumphieren wir als Sieger mit Hilfe dessen, der uns so sehr geliebt hat.

38 Ich bin ganz sicher, dass nichts uns von seiner Liebe trennen kann: weder Tod noch Leben, weder Engel noch Dämonen noch andere gottfeindliche Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges,

39 weder Himmel noch Hölle. Nichts in der ganzen Welt kann uns jemals trennen von der Liebe Gottes, die uns verbürgt ist in Jesus Christus, unserem Herrn.

 

 

Liebe Gemeinde!

Das Um und Auf der Liebe ist Vertrauen. Ist Vertrauen in einer Liebesbeziehung erst mal zerstört, dann ist es ganz, ganz schwer das wieder aufzubauen. Das ist ja oft bei Fehltritten eines Partners das große Problem. Das Verzeihen ist eine Sache. Aber das zerstörte Vertrauen wieder aufzubauen, nicht immer das Schlimmste zu denken und zu erwarten … das ist ganz schwer.

Eine zerbrochene Vase wird nie mehr wieder so wie vorher, und wenn man sie noch so gut zu kitten versuchte. Ich habe einmal mit einem Paartherapeuten gesprochen. Der hat mir ähnliches erzählt. Der hat mir gesagt: Das ist das Schwerste, das Vertrauen herzustellen. Ich habe da Paare, mit denen habe ich ausgemacht: Die Frau darf jetzt ein Jahr lang immer in den Kalender und das Handy und die E-mails ihres Mannes schauen. Ohne Fragen und ohne Rechtfertigung. Wie sonst soll sie ihr Vertrauen wieder aufbauen?

Das Um und Auf der Liebe ist Vertrauen. Wenn das Vertrauen aber da ist, dann ist das mein Halt, meine Sicherheit, dann tut es mir im Leben so gut. Zu Vertrauen heißt ja, tief im Inneren sicher zu sein, die Sicherheit zu empfinden, dass der andere Mensch mich nicht enttäuscht.

Gerade wenn dann im Beruf oder gesundheitlich Probleme aufkommen, wenn es mal nicht mehr so läuft, wie man es sich wünscht. Gerade da spüren wir, wie unglaublich wichtig es ist, wenn da ein oder mehrere Menschen sind, auf die ich mich einfach verlassen kann. Von denen ich weiß: Die halten zu mir, komme, was da wolle!

Und genau so empfindet Paulus Gott. „Wenn Gott für mich ist“, schreibt er da, „wer kann sich dann noch gegen mich stellen?“ Wenn Gott für mich ist, dann lasse ich doch die anderen blöd reden und alles besser wissen. Denn es belastet mich nicht mehr, was die anderen reden. Weil ich weiß, dass sie nicht der Maßstab aller Dinge sind. Weil ich mich nicht mehr von ihrer Meinung abhängig mache. Weil ich weiß, dass da einer ist, auf den ich mich verlassen kann. Weil ich weiß, dass Gott zu mir hält. Deshalb kann ich alles viel leichter nehmen.

Nichts kann uns trennen, schreibt Paulus, von der Liebe Gottes. Da ist Vertrauen richtig angebracht, weil er uns nicht enttäuscht!

Paulus, mit der heutigen Bibelstelle, möchte nun auch uns dazu bringen, Gott auf diese tiefe Weise zu vertrauen. Es tut so gut. Es macht so frei, sagt Paulus, von den kleinen, irdischen Problemen macht es frei. Manche Dinge werden einfach unwichtig, wenn ich sie von Gott her denke. Manche blöde Bemerkung kann ich einfach überhören, weil ich ja weiß, dass letztlich Gottes Urteil zählt, nicht das der Besserwisser.

Paulus formuliert es sehr deutlich. Er fragt: „Kann uns noch irgendetwas von Christus und seiner Liebe trennen?“ Und dann zählt er auf, was uns alles nicht von Gottes Liebe trennt: „Leiden, Angst und Verfolgung, Hunger oder Kälte, Gefahren für Leib und Leben oder gar der Tod?“ Alles das kann uns nicht trennen von Gottes Liebe. Die ist stärker, die steht drüber.

Ich hatte vor Weihnachten ein paar Sorgen, die unseren Kindergarten betrafen. Da gab es Unruhe und Kritik. Da haben mich die Gedanken bis in den Schlaf hinein verfolgt. Und das ist immer ein Alarmzeichen, wenn Sorgen aus der Arbeit einen in die Nacht verfolgen und nicht schlafen lassen. Ich habe immer wieder über die gleichen Fragen nachdenken müssen. Am 4. Advent hatte ich dann, fast schon traditionell, frei und war Schifahren. In Tirol bin ich dann am Samstagabend in den katholischen Gottesdienst gegangen. Das tut so gut, einmal nicht sich selber zu hören. Es ging um Maria und wie sie ihr Schicksal mit Gottvertrauen angenommen hat. Maria hatte wirkliche Sorgen; nicht so Pimperlprobleme wie ich. Maria hat das Schicksal angenommen und trotz all des Ärgers und der Sorgen und des Geredes der Menschen gesagt: „Ist Gott für mich, was machen mir dann schon die, die gegen mich sind?“

Und wie der Pfarrer so von Maria erzählt, habe ich mir gedacht: So müsste man eigentlich mit Herausforderungen umgehen. Warum habe ich nicht mit Gottvertrauen agiert wie Maria? Und ab dann habe ich immer, wenn mich die sorgenvollen Gedanken wieder bedrängt haben, zu beten begonnen. Immer, wenn die Sorgen kamen, habe ich zu gebetet. Ich habe das Problem Gott übergeben, und es mir selbst weggebetet. Ich habe ihm Gebet gesagt: Ich habe ja getan, was ich tun konnte. Und nun liegt es an dir, Gott, wie alles wird. Und es liegt nicht an mir persönlich, und ich darf manche Sorge auch im Gebet an Gott abgeben und sagen: Hilf du mir!

Das heutige Bibelwort von Paulus ist aufmunternd gedacht. Ja, ihr alle habt im neuen Jahr sicherlich das eine oder andere Problem. Und unsere Sorgen sind oft lächerlich im Vergleich zu den Ängsten der ersten Christen, an die Paulus hier schreibt. Verfolgung, sogar Tod waren zu befürchten. Und Paulus sagt: Sorgt euch nicht. Ist Gott mit uns, und das ist er, dann ist alles halb so wild.

Es ist wie, wenn du am Dachstein kletterst. Das ist schwierig, da kann man leicht ausrutschen. Aber: Wenn du mit Gott verbunden bist, dann ist das dein Sicherheitsseil. Und auch wenn du ausrutscht und fällst. Was soll passieren? Dein Seil hält dich! Dein Gott hält dich im neuen Jahr, komme, was da wolle!

Und letztlich geht es um diese Frage: Können wir dieses Vertrauen aufbringen? Dieses Vertrauen: Gott ist mit uns! Denn wenn wir das tief im Inneren empfinden, dann lässt sich mit somancher kleinen Sorge anders umgehen.

Zu Beginn der Predigt habe ich gesagt: Vertrauen ist ein Halt im Leben! Es ist das Um und auf der Liebe! Aber dieses Vertrauen kann man nicht auf Knopfdruck einschalten. Da müssen wir schon im Glauben darum ringen.

Es gibt Worte und Gedanken, die muss man sich einfach immer wieder selber vorsagen. So, wie man ein Problem wegbeten kann, wenn man es nur hartnäckig genug versucht…
…so kann man auch das Gottvertrauen in sich ein Stück weit reifen lassen. Dazu muss man sich diese Worte immer wieder vorsagen und vordenken. Dieses „fürchte dich nicht“, das die Engel zu Weihnachten gesagt haben. Dieses „Wenn Gott für mich ist, wer kann dann schon gegen mich sein“, das Paulus uns heute zuspricht. Dieses Wort Jesu, dass der Glaube Berge versetzen kann, das wir heute in der Lesung gehört haben. Dieses Bild vielleicht auch, dass beim Klettern das Seil schützt. Und dass im Leben Gott dieses Rettungsseil ist. Es bewahrt uns nicht davor auszurutschen, abzugleiten, zu stürzen. Aber das Seil bewahrt uns vor dem Fall ins Bodenlose.

Wie hat es nicht Arno Pötzsch doch so schön gedichtet: „Du kannst nicht tiefer fallen als nur in Gottes Hand, der er zum Heil uns allen barmherzig ausgespannt.“

Diese Bilder können wir immer wieder durch unsere Gedanken fließen lassen.

Ich kann euch heute nichts raten als eben dieses: Die Versprechen Gottes, wie in einer Meditation, uns immer wieder vorzusagen. Es wirkt stärkend und beruhigend. Das ist ja auch in einer Beziehung so. Ich könnte zu meiner Frau sagen: „Zur Hochzeit habe ich dir gesagt, dass ich dich liebe. Jetzt weißt du es. Wenn es sich ändert, werde ich es dir sagen. Bis dahin ist die Sache ja klar.“
Von wegen! Wir möchten es schon immer wieder hören, dass der Mensch an unserer Seite zu uns steht. Hören und durch Zeichen wie Blumen oder Gesten auch erfahren.

So geht es uns auch im Glauben an Gott. Alles ist uns schon einmal gesagt. Nach Religionsunterricht und Konfirmandenkurs wissen wir im Grunde viel. Und doch ist das nichts. Manche Versprechen muss man immer neu hören, damit ich sie weiter glauben kann. Ein Freund muss immer neu zu mir kommen und mit mir vertraut etwas tun. Der Ehepartner, da ist es doch schön und beruhigend, wenn er mich immer neu seiner Zuneigung vergewissert. Wir brauchen das, es tut uns gut.

Und so ist es auch mit dem Glauben. Da müssen wir uns auch immer wieder vorsagen, was Gott schon längst zu uns gesagt hat.

„Fürchte dich nicht“
„Glauben kann Berge versetzen“
„Nichts kann uns trennen von der Liebe Gottes!

Amen.