Predigt 1. Advent

Predigt 1. Advent

Rosenau Advent 21  

Wir hören Worte des Propheten Sacharja. Aus dem 9. Kapitel die Verse 9+10

9 Du, Tochter Zion, freue dich sehr, und du, Tochter Jerusalem, jauchze! Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel, auf einem Füllen der Eselin. 

10 Denn ich will die Wagen vernichten in Ephraim und die Rosse in Jerusalem, und der Kriegsbogen soll zerbrochen werden. Denn er wird Frieden gebieten den Völkern, und seine Herrschaft wird sein von einem Meer bis zum andern und vom Strom bis an die Enden der Erde.

Sei bei uns Gott, wenn wir dein Wort bedenken. Amen.

Liebe Gemeinde!

Das Bibelwort heute führt uns zuerst einmal weit zurück ins alte Israel, lange vor Jesus. Es führt uns zurück, damit wir an und aus der Vergangenheit lernen für unsere Situation heute. Wer Vergangenes als unwichtig abtut, wer sich seiner Wurzeln und seiner Geschichte nicht besinnt, der ist ja verdammt – alte Fehler immer neu begehen. Weil er eben nicht lernt aus dem, was vor ihm gewesen ist.

Ich möchte heute zwei Sachen erklären. Das eine ist: Wer ist dieser Sacharja und was hat er den Menschen damals eigentlich sagen wollen mit diesen Worten? Und dann möchte ich fragen: Was bedeuten diese Worte für uns?

Wo sind wir in der Geschichte? Wir sind noch ca. 500 vor Christus. Die Israeliten waren in Babylon in der Verbannung und haben nun zurück dürfen in ihre Heimatstadt Jerusalem. Eine zerstörte Stadt umgeben von einem darniederliegenden Land. Vor ihnen liegt die harte Zeit des Wiederaufbaues. Doch es war auch eine Zeit des Miteinanders. Gemeinsam wollten sie ihre Situation verbessern. Gemeinsam wollten sie in ihrer Mitte neu das Gotteshaus, den Tempel, errichten.

So wie unsere Gründer hier in der Rosenau diese Kirche gemeinsam mit ihren Häusern gebaut und in ihre Mitte gesetzt haben.

Am 18. Dezember 520 v. Chr. trat der Prophet Sacharja in Jerusalem erstmals als Prophet auf. Er war ein Priester. Auch er war im Exil gewesen und hat zurückkehren dürfen. Nun wird er für gerade drei Jahre zum Propheten. Er spricht den Menschen Mut zu. Er spricht von der Zukunft, die vor ihnen liegt und die durch Gott gut werden wird. Er spricht dem Volk Gottes Verheißung zu in dieser schweren Phase des Neubeginns.

„Bleibt gläubig, bleibt besonnen, packt gemeinsam an, haltet zusammen und die Sonne der Gerechtigkeit wird bald über euch aufgehen.“

„Du, Tochter Zion, freue dich sehr“, spricht er seinem Volk zu. Zion ist einer der Hügel in Jerusalem. Seit König David und dem Bau des ersten Tempels unter Salomo wurde Zion zum Synonym für den Wohnsitz Gottes. Zion ist der Wohnsitz Gottes. Tochter Zion sind deshalb alle Menschen in Jerusalem oder, übertragen, alle Menschen, die in Gottes Nähe leben.

Ihr Menschen in Gottes Nähe freut euch. Euer König kommt zu euch. Er ist unterwegs. Er ist nicht mehr fern. Er kommt endlich zu euch. So spricht der Prophet den Menschen damals zu. Euer König kommt und mit ihm eine gute Zeit!

Und dann kommt etwas ganz Wichtiges. Was geschieht nämlich, bevor dieser König kommt? Da wird Gott etwas machen: „Denn ich will die Wagen vernichten in Ephraim und die Rosse in Jerusalem, und der Kriegsbogen soll zerbrochen werden.“ Ein armer König (wird) angekündigt – einer, der nicht durch politische und militärische Macht herrscht, dessen „innerstes Wesen (…) die Demut und Sanftmut“ ist.

Das räumt schon mit einem Missverständnis auf. Manche Juden zur Zeit Jesu und Menschen immer und immer wieder danach haben gedacht: Wenn der Mann Gottes kommt, dann kommt er und macht Krieg gegen die Bösen und schafft mit Gewalt Ordnung. Er vertreibt die Feinde und setzt sich auf den Herrscherthron. Wer so dachte, war bereit, Gewalt und Krieg über Andersdenkende und Andersglaubende anzuwenden.

Aber nein, schon hier, bei Sacharja, hätten wir lernen können: Der Friede kommt dem König voraus. Erst Frieden, dann Gott.

Außen wie innen. Auch für uns gilt: Erst innerer Frieden, dann Gott in uns. Wut und Hass und Zorn machen es Gott schwer, zu unserem Herzen zu finden.

Tochter Zion, freue dich, dein König kommt zur dir. Menschen, die Gott nahe sind, freut euch, zu Euch kommt der König, der wahre König. Nicht die Könige dieser Welt, machtgierig, eitel, oft korrupt, bemüht und doch fehlerhaft.

Der König kommt, doch nicht so gleich und schnell, wie wir es gerne hätten. Das geschah damals nicht sofort und auch heute geht es nicht so schnell. Weder politisch in der Welt noch in meiner unruhigen Seele. Erst muss sich die Gesellschaft oder ich mich in meinem Inneren ausrichten auf die gemeinsame Hoffnung, die gute Vision vor uns. Dann können wir miteinander erleben, wie dieser König in unsere Herzen einzieht.

Diese Prophetenwort von Sacharja verspricht also eine gute Zukunft. Das Wunderbare daran: Diese Prophezeiung hat sich erfüllt! Sie hat sich sogar mehrmals erfüllt auf ganz verschiedenen Ebenen.

  • Sie hat sich erfüllt für die Menschen damals in Jerusalem. Nach mühsamen Aufbaujahrzehnten ist ihre Stadt wieder erblüht und hat ihnen Wohlstand gebracht.
  • Sie hat sich erfüllt auch im religiösen Sinn, weil der Tempel in ihrer Mitte gewachsen ist und sie Gott Nähe darin erlebt haben.
  • Diese Vision sehen wir Christen erfüllt im Kommen von Jesus Christus. Er ist unser wahrer König, unser Friedensfürst.
  • Diese Prophetie hat sich tausendfach in der Geschichte erfüllt. Wann immer Menschen nach einem Unglück so gehandelt haben: Wenn sie sich zusammengetan haben, gemeinsam aufgeopfert haben, gemeinsam gehofft haben, gemeinsam an das Gute geglaubt, gemeinsam gebetet und gearbeitet haben, für und miteinander, nicht gegeneinander – immer dann ist aus Trümmern eine neue, oft bessere Gesellschaft geworden.
  • Diese Prophetie hat sich auch hier in der Rosenau erfüllt, als eure Vorfahren, Vertriebene ohne Geld und Heimat, hier etwas Neues erschaffen haben. Nicht nur jeder für sich, sondern vor allem miteinander. Dein König kommt.
  • Diese Prophetie erfüllt sich in Menschen, wenn sie umkehren, ihren Sinn auf Gott ausrichten, beten, hoffen, bewusst das Gute tun wollen – dann kommt dieser König zu ihnen, in ihr Herz!
  • Und so wird sich diese Prophetie immer neu und weiter erfüllen. Auch in uns und für uns. Auch in mein Leben, meine Sorgen, meine Probleme, auch da kann Gott einziehen und sie verwandeln. Und der Friede geht diesem König voraus. Der Friede mit den Nachbarn, den Freunden, den Mitmenschen, der Friede in der Gesellschaft. So müssen wir mithelfen, dass es Friede werde unter uns.

Wir haben heute also gehört: Eine Prophetie, die schon ihre Erfüllung gefunden hat und immer neu Erfüllung verspricht. Eine Verheißung, die wir zu der unseren machen müssen, um auch an deren Erfüllung teilzuhaben.

Dein Friedensfürst möchte in dein Leben kommen.
Dein Gott möchte dir nahe sein.

Er kommt sanft, als Kind, auf einem Esel, in Demut, als Mensch.

Der Advent, nun, will die Zeit sein, wo wir uns bereit machen. Unser Haus putzen wir meistens vor den Festtagen. Reinigen wir auch unser Inneres? Ist da Groll, der überwunden gehört? Sind da Verletzungen, für die ich um Vergebung bitten sollte? Ist da Dank, den ich noch nicht ausgesprochen habe? Der Friede, der innere Friede, geht Gott voraus!

Bereiten wir uns im Advent darauf vor, dass ein König, der König, zu uns kommen kann. Machen wir die Herzen auf und seien wir deshalb herzlich. Lassen wir es Frieden werden unter uns, indem wir selbst friedlich handeln. Leben wir miteinander und nicht gegeneinander. Und teilen wir miteinander die Hoffnung auf das Gute, das Vertrauen auf Gott.

Amen.