Predigt: Es muss durchlitten sein

Predigt: Es muss durchlitten sein

Predigt zum Trachtensonntag mit den Ehejubilaren 2016 am 07. August 2016.

Evangelium Joh 5
1 Bald darauf war ein jüdisches Fest und Jesus ging hinauf nach Jerusalem.
2 Am Schaftor in Jerusalem befindet sich ein Teich mit fünf offenen Hallen. Auf Hebräisch wird er Betesda genannt. 3 Eine große Anzahl von Kranken lag ständig in den Hallen: Blinde, Gelähmte und Menschen mit erstorbenen Gliedern.
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5 Unter ihnen war auch ein Mann, der seit achtunddreißig Jahren krank war.
6 Jesus sah ihn dort liegen. Er erkannte, dass der Mann schon lange unter seiner Krankheit litt, und fragte ihn: »Willst du gesund werden?«
7 Der Kranke antwortete: »Herr, ich habe keinen, der mir in den Teich hilft, wenn das Wasser sich bewegt. Wenn ich es allein versuche, ist immer schon jemand vor mir da.«
8 Jesus sagte zu ihm: »Steh auf, nimm deine Matte und geh!«
9 Im selben Augenblick wurde der Mann gesund. Er nahm seine Matte und konnte wieder gehen.

 

Liebe Gemeinde!
Liebe Jubilare und Jubilarinnen!

Ein sehr berühmter Kirchenlieddichter ist Paul Gerhardt. Seine bekanntesten Lieder im Gotteslob sind „O Haupt voll Blut und Wunden“ und „Befiehl du deine Wege“. Im Evangelischen Gesangbuch finden sich sogar 26 seiner Dichtungen.

Er lebte zur Zeit des 30-jährigen Krieges. War als junger Mensch hoffnungs- und glaubensfroh und wurde in seinem Leben immer wieder von Schicksalsschlägen erschüttert. Der Krieg, vier von fünf Kindern verstarben früh, seine Frau erlag einer Krankheit. Dieser Mann hat vieles durchgemacht und wusste, wovon er schreibt, wenn er von Leid und der Kraft des Glaubens und der Hoffnung dichtet.

In seinem Lied „Ich bin ein Gast auf Erden“ finden sich folgende Worte:

„Es muss ja durchgedrungen, es muss gelitten sein
wer nicht hat wohl gerungen, geht nicht zur Freud hinein.“

Solche Worte passen gar nicht in unsere Zeit. Wir reden immer vom lieben Gott und alles muss immer so korrekt schön wie in der Werbung sein.

Aber manche Probleme im Leben kann man nicht lösen. Manches Leid muss einfach durchgedrungen, durchlitten sein. Manches kann man nicht umgehen, man kann nur durch, es durchleiden. Aber dann hat man es geschafft und dann geht es wieder leichter.

Es ist wie in einer Ehe, liebe Gemeinde. Auch da kann nicht immer alles glücklich sein. Aber gerade dann, wenn man Krisen und Probleme gemeinsam löst, gerade dann wird sie und fest und intensiv. So auch der Glaube an Gott. Der kindliche Glaube ist noch ganz leicht und hoffnungsfroh. Die erste Probe erfährt er dann so um die Konfirmandenzeit, zur Firmung. Da sind die Zweifel groß und die Jugendlichen mit ganz anderen Fragen beschäftigt. Aber nur, wer an seinem Glauben versucht festzuhalten, wer mit seinen Zweifeln ringt, nur bei dem wird es tiefer, fester. Wer seinen Glauben nur schnell umstreift wie einen Mantel, dem wird er auch beim ersten kleinen Sturm davon geweht.

Glücklich sein ist leicht. Das schaffen alle Ehepaare. Aber miteinander Leid zu teilen, das ist eine Herausforderung. Beziehungen, in denen immer alles gut geht, die bleiben an der Oberfläche. Wer miteinander Probleme bewältigt, der erfährt sich in der Tiefe.

Manche Probleme lassen sich nicht lösen, sie lassen sich nur „durch‑leiden“. Paul Gerhardt weiß, wovon er dichtet. Er hat in seinem Leben sehr dunkle Tage durchlitten.

Wer satt ist und ein Stück Brot bekommt, dem gibt das gar nichts. Wer aber nach Hunger ein Brot erhält, dem bedeutet es alles. Wie viel uns die Gaben unseres Lebens wert sind, hängt auch damit zusammen, wie leicht oder schwer wir sie erhalten haben.
Wie viel uns die Gaben unseres Lebens wert sind, hängt auch damit zusammen, wie leicht oder schwer wir sie erhalten haben.

Denn in jedem Leid steckt auch ein Wert. Aus jedem Tief nimmst du Weisheit mit.

Gott erspart uns keine Täler und Umwege. Aber, und das hat Jesus ja gemacht, er geht sie mit uns, die schweren Wege. Er ist Begleiter und Proviant, er ist Stärkung und Hoffnung.

Wir werden nicht befreit von Problemen – sondern begleitet in Problemen.

Das zeigt auch bildhaft das Evangelium, das wir vorhin gehört haben. Da sitzt ein kranker Mann an einem Teich und hofft auf ein Wunder. Es will nicht geschehen. Aber dann kommt Jesus. Er heilt nicht gleich, sondern sagt die entscheidenden Worte: „Steh auf und geh.“ Tu etwas. Versinke nicht in den Problemen. Lass dich nicht von den Sorgen ummanteln. Steh auf und geh. Dann geht es wieder. Und als er das tut, dann erst, kommt die Hilfe.

Das Leid hat seine Zeit gedauert, aber es wurde wieder gut. Und nun kann dieser Mensch wohl alles schätzen, was er hat. Vielmehr als die, die nie krank gewesen sind. Auch bei uns ist es so: Wer Krisen, Kriege, Schicksalsschläge durchlitten hat, der geht viel dankbarer durchs Leben, viel zufriedener – weil er schätzen kann, was er hat.

Ihr als Ehejubilare habt euch einen großen Wert erarbeitet. Den Wert eines festen, sicheren Miteinanders. Den Wert der Liebe und den Wert des Vertrauens. Das ist wertvoll. Wer das nicht hat, der empfindet meist tiefe Sehnsucht danach.

Weil ihr es schon so lange habt, ist es euch vielleicht selbstverständlich, nichts Besonderes mehr. Aber eine Ehe zu haben ist etwas Besonderes. Wie viele sehen sich danach? Wie viele scheitern in ehrlichem Bemühen! Heute dürfen wir euch gratulieren und sagen: Ihr habt etwas Besonderes!

 

Noch einmal zurück zum Evangelium: Am Ende, nachdem sich der Mann aufgerafft hat, geschieht dann das Wunder, eine Heilung. Auch darauf dürfen wir heute hoffen: Dass es neben unserem eigenen Bemühen immer wieder Wunder gibt und vieles sich doch am Ende zum Guten wendet.

Gott ist in guten wie in schweren Zeiten ist Gott bei uns.
Aber, so dürfen wir schon beten, mögen es doch deutlich mehr gute Zeiten sein.

Amen.