Predigt – Konfirmation 2012

NICHT NUR HÖREN, SONDERN TUN

Der heutigen Predigt liegen Worte aus dem Jakobusbrief zugrunde, aus dem 1. Kapitel die Verse 21-22.

21 Legt also alles Gemeine und Schlechte ab und nehmt bereitwillig das Wort an, das Gott euch ins Herz gepflanzt hat. Es hat die Macht, euch zu retten.
22 Es genügt aber nicht, dieses Wort nur anzuhören. Ihr müsst es in die Tat umsetzen, sonst betrügt ihr euch selbst!

Gib deinen Geist zu deinem Wort. Amen.

Liebe Konfirmanden und Konfirmandinnen! Liebe Gemeinde!

Wer nach Schloss Klaus will, der muss zuerst einen kleinen Berg erklimmen. Dann geht es einen Wehrgang hinauf, mit vielen Stufen. Im Haus selbst gibt es so ungefähr 7-8 Stockwerke. Fast ganz oben haben heuer unsere Mädchen übernachtet. Die Burschen deshalb weit unten. Und oben im Turm, wenn man aus dem Fenster sieht – sieht man die alte Bergkapelle von Klaus und den Friedhof darum herum. Das hat manche von euch beunruhigt. So nahe an einem Friedhof schlafen. Das ist unheimlich.
Vielleicht habt ihr deshalb das gestrige Theaterstück so gemacht, wie ihr es gemacht habt. Da ging es um eine Mutprobe. Und die Mutprobe war: Eine Nacht in einem offenen Grab verbringen.

In der biblischen Vorlage ging es um Daniel, der eine Nacht in eine Löwengrube geworfen wurde. Die Bibel wollte mit dieser Geschichte sagen: Der Glaube an Gott gibt euch Kraft, er lässt euch Dinge überstehen und durchstehen – an denen ihr sonst vielleicht zerbrechen würdet.

Und das habt ihr mir ja auch gesagt. Wenn ich euch gefragt habe, was Glaube an Gott so bringt, habt ihr gesagt: „Ja, wer an Gott glaubt, dem gibt das schon was. Der kann schon Kraft dadurch bekommen.“

Hier sind wir an einem wichtigen Knackpunkt! Ihr habt die Geschichten aus der Bibel gehört und sogar nachgespielt. Das ist schon mal gut. Aber was macht ihr damit? Hört ihr sie wie man einen Film sieht – kurz anschauen und dann wieder vergessen? Oder was macht ihr mit den Worten der Bibel?

Die heutige Überschrift über diese Predigt heißt: „Es genügt nicht, Gottes Wort nur anzuhören. Ihr müsst es in die Tat umsetzen!“ Oder, wie Luther übersetzt hat: Seid Täter des Wortes, und nicht Hörer allein.

Das ist die Frage. Sagt ihr es nur: „Der Glaube an Gott kann Kraft geben“? Oder versucht ihr das auch selber an euch zu erleben? Ist alles heute nur Theorie, oder geht es um etwas, das Bedeutung hat für euer Leben?

Wenn ihr in einem Grab übernachten müsstet: Würdet ihr dann beten, wenn ihr Angst habt? Überhaupt: Wenn ihr Angst habt, Sorgen habt: Kommt ihr da auf die Idee zu beten? Es genügt nicht, Gottes Wort nur anzuhören. Ihr müsst es in die Tat umsetzen!

Bei der Konfirmandenprüfung wurdet ihr gefragt: Was ist das wichtigste Gebot. Ihr habt völlig korrekt geantwortet: Du sollst Gott und deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Wenn ihr dann aber von der Prüfung heimgeht, und einer zum andern sagt: Du „Mof“ oder „Du Opfer“, dann habt ihr wieder nur die Theorie gelernt – aber die allein ist nutzlos. Es genügt nicht, Gottes Wort nur anzuhören. Ihr müsst es in die Tat umsetzen!

Das ist bei uns Erwachsenen aber genau das gleiche Problem. An vielen Stellen in unserem Leben wissen wir genau, was wir tun sollten. Wir sprechen es sogar aus – und tun’s trotzdem nicht. Paradebeispiel ist die Weihnachtszeit. Ich habe ja das teilweise schöne, teilweise ermüdende Vergnügen, zu vielen Weihnachtsfeiern eingeladen zu sein. Da werden Geschichten gelesen und Lieder gesungen, da reden Vereinsobleute und Politiker. Und wie oft kommt in einer dieser Reden der Satz vor: „Ja, Weihnachten, das war früher so still und schön. Und heute ist es so laut, und es geht nur ums Geld. Wir sollten im Advent viel besinnlicher werden.“ So oder so ähnlich wird gesprochen, und alle nicken und finden das richtig.

Nur keiner tut was! Jeder könnte was ändern. Keiner ist gezwungen, es jedes Jahr gleich anstrengend werden zu lassen. Allein: Es genügt nicht, kluge Dinge zu hören oder zu reden oder ihnen zuzustimmen. Ihr müsst es in die Tat umsetzen!

Das gleiche Spiel können wir mit dem Stress spielen, unter dem alle leiden. Alle jammern, aber kaum jemand ändert was an seinem Leben. Denn wenn ich den Stress reduziere, dann müsste ich ja auch andere Dinge verändern, habe vielleicht ein bisschen weniger Geld, müsste anders leben, müsste vielleicht auf Macht oder Luxus verzichten. Ich weiß, was richtig ist: Mehr Stille, mehr Ruhe, auch die geistliche Seite des Lebens beachten – aber ich kümmere mich nicht drum. Ist zu viel Aufwand und wer weiß, ob es das wert ist. Es genügt nicht, Gottes Wort nur anzuhören. Ihr müsst es in die Tat umsetzen!

Das gleiche Spiel gilt ja übrigens auch in der Erziehung. Ihr könnt euren Kindern erklären, was ihr wollt. Das geht oft genug da rein und da raus. Aber lebt es ihnen vor; und es wird sie prägen. Das ist nicht meine Privatmeinung, das zeigen uns etliche Studien. Erzählen sie ihrem Kind, wie böse Schimpfwörter sind. Und dann benutzen sie genau diese Wörter beim Abendessen, wenn sie über ihren Chef reden. Erzählen sie ihrem Kind, wie gesund Sport ist, aber verlassen sie am Wochenende nie die Couch vor dem Fernseher. Sie können sich denken, was ihr Kind lernen wird. Reden sie davon, wie wichtig Kirche und Konfirmandenunterricht sind, aber gehen sie selber niemals in die Kirche außer zu Weihnachten. Sie können sich vorstellen, wie viel der Pfarrer dann bewirken kann in den paar Stunden Konfi Kurs. Es genügt nicht, Gottes Wort nur anzuhören. Ihr müsst es in die Tat umsetzen!

Nun ist es bei manchen von euch Konfis ja umgekehrt: Ihr seid keine Zuhörer. Ich habe jetzt doch schon ein bisschen Erfahrung, und ihr seid meine neunte Konfirmandengruppe. Aber ihr wart speziell, was die Aufmerksamkeit anbelangt hat. Man kann sich mit jedem von euch einzeln wunderbar unterhalten. Aber als Gruppe habt ihr eine Aufmerksamkeitsspanne von wenigen Minuten. Da hatte ich im Kurs ein Zeitfenster von zwei, drei Minuten, um euch etwas mitzugeben, und dann war’s vorbei. Dann habt ihr wieder weggehört, Witze gemacht, mehr oder weniger passende Fragen gestellt. Ihr wart, das meine ich ernst, eine freundliche, positive, liebe Konfirmandengruppe. Nur mit dem Zuhören habt ihr es nicht wirklich so.

Und dann auch noch diese langen Predigten. In der Vorbereitung auf diesen Gottesdienst hat mich Marcel gefragt: „Und reden Sie da wieder so lange?“ Und ich habe nur bedauernd nicken können: „Ja, das ist bei uns so.“

Wobei: Gegen Pfr. Schuster bin ich wirklich ein Kurzprediger. Der ist nach zehn Minuten erst so richtig warm geworden. Aber das ist wahrscheinlich eine Erscheinung unserer Zeit, dass die Aufmerksamkeit sinkt, bei uns allen, und wir uns nicht mehr so lange auf etwas konzentrieren können und wollen.

Es sind uns ja ganz viele Ansprachen von Politikern überliefert. Wir wissen, wie sie vor 100 Jahren bei einer Eröffnung gesprochen haben, vor 50 Jahren oder heute. Der Vergleich ist spannend. Vor allem, wenn man sich die Redezeiten ansieht. Vor 100 Jahren musste eine Festrede noch mindestens eine halbe Stunde dauern, vor 50 Jahren waren es auch noch 20 Minuten. Heute gönnt man dem Redner vielleicht 5 Minuten. Dafür – und das ist typisch für unsere Zeit – dafür muss aber der gleiche Politiker drei Eröffnungen an einem Vormittag absolvieren und von einer zum nächsten rasen. Das ist unsere Zeit. Das ist unser Stress. Wir könnten es anders haben. Aber dazu müssten wir etwas ändern. Es genügt nicht, Gottes Wort nur anzuhören. Ihr müsst es in die Tat umsetzen!

Liebe Konfirmanden: Christ sein ist kein Zustand. Christ sein ist ein Tun! Ihr sagt heute „Ja, ich will Christ sein“. Das besteht aber nicht darin, dass ihr den Konfirmationsschein hübsch die Wand hängt. Es muss sich in eurem Leben zeigen, nicht an eurer Wand. Eben im Tun. Stehle ich halt schnell mal so eine Tafel Schokolade im Supermarkt? Mache ich schlechte Witze über den Mitschüler, weil es halt so lustig ist? Gehe ich nie in die Kirche, weil der Pfarrer so lang redet und das um 9 Uhr früh? Stelle ich was an und schiebe ich die Schuld dann auf wen andern? Alles das geht nicht mehr, wenn man wirklich Christ ist.

Es genügt nicht, Gottes Wort nur anzuhören. Ihr müsst es in die Tat umsetzen!

Amen.