Predigt: Neue Wege

Predigt: Neue Wege

Predigt von Pfarrer Fraiss am 12. Juli 2020 über Lk 5, 1-11 (Titelfoto: (c) GEP)

Liebe Gemeinde!

Neue Wege wagen! Das ist das Thema des heutigen Sonntages. Neues wagen und dabei – das ist der Haken – anderes hinter sich lassen. Neue Wege wagen und den Spott und das Unverständnis derer akzeptieren, die es nicht verstehen.

Manchmal muss man im Leben etwas ändern!

Manchmal musst du etwas ändern, weil es so einfach nicht weitergehen kann. Das ist das eine. Vielleicht war es bei Petrus so. Vielleicht hat er gespürt, dass sein Leben leer war, während die Zeit mit Jesus mehr als erfüllt war.

Manchmal, aber, musst du etwas ändern, weil du von außen dazu gezwungen wirst. So wie wir alle in der Corona Zeit und den aktuell neu aufflammenden Infektionen.

Manchmal musst du etwas ändern, musst du neue Wege gehen. Und die Bibel sagt uns dazu: Keine Angst davor! Das ist gut! Neues tun und wagen gehört dazu. Überlege halt nur, welchen neuen Weg du wählst. Was sind gute Ziele? Worauf gehe ich zu, wenn ich die Richtung meines Lebens ändere?

Es gibt dazu einen ganz einfachen Versuch.

Dazu brauchen Sie mindestens zwei Stunden Zeit. Legen Sie ihre Uhr ab, lassen Sie Ihr Handy daheim und machen sich einfach auf den Weg.. Nehmen Sie sich keine feste Route vor, sondern lassen Sie sich von Ihrer Lust leiten. Wie fühlt es sich an, einmal keinen Plan zu haben? Spüren Sie die Freiheit – oder auch die Unsicherheit, wohin es gehen soll? Wie wäre das – nur aus dem Vertrauen zu leben? Geht das überhaupt? Einfach mal gehen und spüren und nachdenken – und vielleicht auch beten.

Petrus und die Jünger erleben Jesus, wie er predigt. Sie werden fasziniert gewesen sein von seinen Worten. Dann wendet er sich ihnen zu, als er fertig ist. Er wendet sich ihnen zu und sagt: Fahrt noch einmal aus. Sie tun es. Sie tun es, obwohl sie heute schon einmal erfolglos auf Fischfang gewesen waren. Hat Jesus einen nahen Schwarm gesehen? Will er ihnen etwas Gutes tun? Egal. Sie merken: Dieser Mann redet nicht nur. Was er sagt, das wird zur Wirklichkeit. Durch sein Wort geschieht Veränderung. Die Fischnetze sind voll. Davor waren sie leer geblieben. Die vollen Netze stehen zeichenhaft auch dafür, wie die Herzen der Fischer nun erfüllt waren.

Sie haben Jesus gehört. Es hat etwas mit ihnen gemacht. Sie haben zu glauben und zu hoffen begonnen. Zu hoffen, auf eine bessere Zukunft und Veränderung. Sie haben gemerkt, dass etwas anders werden kann in ihrem Alltag. Sie haben sich sicherlich nicht Geld und Reichtum und Macht von Jesus erwartet. Es muss also etwas anderes gewesen sein, dass sie nachfolgen hat lassen.

Petrus hat sich nicht blenden lassen von den vollen Fischnetzen. Er hat nicht gesagt: „So viele Fische, jetzt machen wir die erstmal zu Geld, dann schauen wir weiter.“ Er hat es anderen überlassen, sie zu verwerten. Ihm hat das Wunder gereicht; er wollte keinen Gewinn daraus schlagen – es hat ihm gereicht zu wissen: Da tut sich ein neuer Weg auf für mich!

 Petrus war bereit, sein Leben zu ändern. Er ging neue Wege. Das war freilich für einen Fischer damals leichter als für einen Angestellten heute. Er verlor keinen Pensionsanspruch und keine Gehaltsfortzahlungen. Er wusste: Ich kann jederzeit wieder fischen gehen. Trotzdem war es eine mutige Tat. Er hat sein Leben verändert, das eigentlich bis zum Ende vorgezeichnet war.

Auch wir müssen was ändern. Eben manchmal, weil es nicht anders geht. Der Sommer heuer wird anders sein als der vor einem Jahr. Doch auf manchen Menschen lastet auch ein anderer Druck. Der Druck: „So kann es nicht weitergehen.“ „Das ist zu viel!“ „Das ist zu wenig!“ „Das halte ich nicht mehr aus!“ Auch hier sagt die Bibel: Es gibt andere Wege. Es gibt immer andere Wege. Der erste Schritt, freilich, mag schwer sein. Denn du musst erst Altes hinter dir lassen, wenn du Neues beginnen willst. Veränderung ist unbequem.

Doch im Blick auf Jesus, da zeigt sich, wie richtig es sein kann, neue Schritte zu gehen. Denn hier liegt ja eines der Zauberworte in Jesu Predigt: „Umkehr!“ Viele Menschen sind auf falschen Wegen unterwegs. Jesus ruft: Kehrt um! Findet wieder zurück zu dem, was euch wirklich guttut.

Petrus – er war nur ein einfacher Fischer, nicht gebildet, nicht reich – Petrus hat das instinktiv verstanden. Als Jesus ihn einlädt, mit ihm mitzukommen, da antwortet Petrus: „Herr, geh weg von mir! Ich bin ein sündiger Mensch.“ Er fühlt sich nicht würdig, wichtig, gut genug für diesen Jesus.

Doch Jesus, der schaut uns ganz anders an, als wir denken. Vor allem: Der erwartet von uns nicht, dass alles perfekt ist. Das erwarten wir vielleicht von unseren Mitmenschen und von unseren Wohnungen. Aber so denkt Jesus nicht. Der sieht, der spürt das Drängen in Petrus. Er sagt: Du bist einer, der mit mir gehen sollte. Nicht, weil bei dir alles so perfekt ist. Gerade deshalb nicht. Wo alles passt, der braucht mich nicht. Nicht die Gesunden, sondern die Kranken brauchen einen Arzt.

Du kommst mit mir, weil du mich brauchst. Du spürst den Zwiespalt deines Lebens. Du bist bereit, etwas zu ändern.

Den Zwiespalt spüren und etwas ändern. Das ist heute auch bei uns gefragt in vielerlei Hinsicht.

  • Wir sehen die Infektionen mit Corona und erleben, dass die Maßnahmen dagegen uns nicht gefallen. Sie mögen sinnvoll sein, aber nicht angenehm: Masken, Abstand. Ein Zwiespalt.
  • Wir merken den Klimawandel und wissen, dass manches an unserer Lebensweise damit zu tun hat. Etwas daran zu ändern ist nicht angenehm. Ein Zwiespalt.
  • Manche stecken in der Firma oder im Freundeskreis fest in einer Gruppe von Menschen, die sie nicht wertschätzen, die rücksichtslos sind. Mache ich da mit oder steige ich aus? Etwas daran zu ändern ist nicht angenehm. Ein Zwiespalt.
  • Manche stecken fest in einem Beruf, der ihnen mehr Last als Lohn bietet. Doch können sie es sich leisten, hier etwas zu ändern? Wollen Sie sich das leisten? Ein Zwiespalt.

Mit solchen Fragen leben wir, stellen sie uns oder stellen sie uns lieber nicht. Petrus hat durch Jesus seinen Zwiespalt gespürt und einen neuen Weg gewagt.

Genau darum geht es auch bei uns. Neue Wege wagen und keine Angst davor haben. Jesus lädt uns ein, unseren Weg zu hinterfragen. Er lädt damals wie heute ein zur Umkehr. Zur Umkehr dort, wo wir einen Weg als falsch, als nicht gut erkannt haben, aber noch nicht bereit waren, die Richtung zu ändern. Veränderung ist unbequem. Keine Angst davor, sagt Jesus!

Amen.