Predigt Ostersonntag

Predigt Ostersonntag

Predigt zum Ostersonntag 2021 zu Mk 16, 1-8

1 Und als der Sabbat vergangen war, kauften Maria Magdalena und Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome wohlriechende Öle, um hinzugehen und ihn zu salben. 

2 Und sie kamen zum Grab am ersten Tag der Woche, sehr früh, als die Sonne aufging. 

3 Und sie sprachen untereinander: Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür? 

4 Und sie sahen hin und wurden gewahr, dass der Stein weggewälzt war; denn er war sehr groß.

5 Und sie gingen hinein in das Grab und sahen einen Jüngling zur rechten Hand sitzen, der hatte ein langes weißes Gewand an, und sie entsetzten sich. 

6 Er aber sprach zu ihnen: Entsetzt euch nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier. Siehe da die Stätte, wo sie ihn hinlegten. 

7 Geht aber hin und sagt seinen Jüngern und Petrus, 
dass er vor euch hingeht nach Galiläa; da werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat. 

8 Und sie gingen hinaus und flohen von dem Grab; denn Zittern und Entsetzen hatte sie ergriffen. Und sie sagten niemand etwas; denn sie fürchteten sich.

Liebe Gemeinde!

Wir haben heute aus dem Evangelium nach Markus gehört. Markus ist unser Evangelist. Er ist der Evangelist unserer Zeit. Er ist von allen vier Evangelisten der Kürzeste. Er schmückt wenig aus, er fasst sich kurz, er erzählt das Nötigste. Von Jesus.

Wir sind auch zurückgeworfen auf das Nötigste. Sollen die Gottesdienste kurz machen. Sollen die Gespräche miteinander möglichst sein lassen. Sollen uns am besten nur digital begegnen.

Übrigens: Die Jünger würden das anders nennen. Sie sind nicht digital vernetzt, sondern im Geist Gottes verbunden. Verbunden mit einer Leitung also, die nicht ständig ausfällt, wenn wir sie am dringendsten brauchen.

Machen wir es also kurz, heute, so wie Markus.

Jesus liegt im Grab. Die Männer trauen sich nicht hingehen. Die Frauen trauen sich schon und sie stehen offenbar sowieso früher auf als die Männer. Wir lernen, was wir eh schon längst wissen, was auch damals schon so war: Die Frauen trauen sich mehr!

Die Frauen haben auch den Glauben, dass alles gut wird. Denn eigentlich wissen sie: Da liegt ein Stein vor dem Grab, den werden wir nicht wegkriegen. Aber sie haben den Glauben, dass alles gut wird. Deshalb denken sie sich: Wir werden den Stein schon irgendwie wegbekommen. Sie denken sich: Da wird sich schon eine Lösung finden. So viel Glaube! Andere Menschen sehen immer nur Hindernisse, die Gläubigen erwarten Lösungen.

Die Frauen wollen Jesus salben. Sie wollen also etwas für ihn tun, nicht für sich. Sie kommen nicht mit einem Paket an Bitten und Anliegen. „Jesus, wir hätten noch gerne, dass du mein Kreuzweh heilst, und könntest du nicht meinen Sohn noch eine fleißige Frau schicken und dann vielleicht noch für mich einen Lotto‑Sechser.“ Nein, für ihn wollen sie etwas tun. Kann eine gesunde Einstellung sein. Nicht immer nur an mich und meine Sorgen denken. Auch mal schauen, was die anderen brauchen, was ihnen guttäte.

Dann sehen sie einen Engel und erschrecken.
Der Engel sagt etwas, sie hören zu.

Das ist wieder sehr ungewöhnlich, heute. Wir hören nicht gerne zu. Wir reden gerne, aber mit dem Zuhören ist das so eine Sache. Wir sagen, was uns stört. Wir sagen, was wir besser machen würden. Aber zuzuhören, um den Standpunkt eines anderen zu verstehen. Na ja, das gefällt uns nicht wirklich. Die Frauen bei Jesu Grab sind anders. Sie hören zu, was Gott ihnen durch den Engel sagen will.

Und dann tun sie das sogar! Sie tun, was ihnen gesagt wird. Das mögen wir noch weniger, derzeit. Tun, was uns jemand anschafft, eine Obrigkeit sogar. Nein, das gefällt uns gar nicht.

Die Frauen haben Angst, kein Wunder, und gehen wieder zurück. Sie trauen sich nichts sagen. Eben, weil die anderen so sind wie gerade beschrieben. Sie würden nicht glauben, sie würden nicht zuhören, sie würden nur alles besser wissen.

Die Frauen können mit niemandem darüber reden.

Jesus selber muss eingreifen, zeigt sich auch den Männern, damit auch die glauben können. Die Männer brauchens offenbar ein bisschen mit dem Holzhammer.

Ostern kann ganz einfach sein, wenn ich glauben kann. Wenn ich nicht auf meine Sorgen und Zweifel sehe, sondern mein Blick weiter geht zu Gott.

Die Frauen zeigen, wie einfach Ostern ist, weil sie glauben und zuhören und vertrauen. Die Männer zeigen, dass es auch kompliziert geht. Denn sie sagen: Da liegt der Stein, die Geschichte vom Engel ist komisch, den Frauen trauen wir sowieso nicht, und überhaupt, glaube ich nur, was ich selber sehe.

Ostern kann höchst kompliziert und schwierig sein, wenn ich immer zuerst auf die Hindernisse und meine Zweifel sehe. Die Jünger sahen den Stein vor dem Grab, die Frauen den Jesus dahinter. Den Frauen hat sich der Stein einfach so geöffnet, die Jünger haben das für unmöglich gehalten. Die Frauen haben dem Engel geglaubt, die Jünger haben erst Jesus persönlich sehen müssen.

Markus fasst kurz zusammen, was wichtig ist. Die Frauen erleben diesen Morgen und wissen, was Sache ist. So einfach kann Ostern sein. Machen wir es uns nicht komplizierter als nötig.

Ostern wirkt wie eine Impfung! Denn wir können uns von der Ostergeschichte mit Glaube und Hoffnung impfen lassen.
Impfen lassen gegen die Zweifel.
Impfen lassen dagegen, dass wir immer nur die Probleme, die Hindernisse sehen und dabei das Ziel aus den Augen verlieren.
Impfen lassen gegen die Tristesse jener, die ohne Hoffnung leben.

Ihr seid heute Morgen schon aufgebrochen und hierher gegangen. Wie die Frauen. Das sind gute erste Schritte.

Gehen wir diese guten Schritte weiter, begleitet von Gott, und es werden sich auch uns die Steine, die vor uns liegen, schon zur Seite bewegen lassen.

Amen.