Predigt: Sorgt euch nicht

Predigt: Sorgt euch nicht

Predigt von Pfarrer Roman Fraiss vom 9. Februar 2014 in der Gnadenkirche Rosenau

Predigttext Mt 6

25 Darum sage ich euch: Sorgt nicht um euer Leben, was ihr essen und trinken werdet; auch nicht um euren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung?

26 Seht die Vögel unter dem Himmel an: sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel mehr als sie?

27 Wer ist unter euch, der seines Lebens Länge eine Spanne zusetzen könnte, wie sehr er sich auch darum sorgt?

28 Und warum sorgt ihr euch um die Kleidung? Schaut die Lilien auf dem Feld an, wie sie wachsen: sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht.

29 Ich sage euch, dass auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht gekleidet gewesen ist wie eine von ihnen.

 

Liebe Gemeinde!

Man kann sich das Leben schwer machen. Man kann es sich schwerer machen als nötig. Und eines der besten Mittel, sich das Leben noch schwerer zu machen als es eh schon ist, das sind Sorgen. Und zwar gar nicht so die großen Sorgen, denen wir nicht auskommen, sondern die kleinen, unnötigen Sorgen.

  • Dinge, die man nicht ändern kann.
  • Zukunftssorgen, wo man gar nicht wissen kann, wie es wird.
  • Ängste vor Unglücken, die doch wahrscheinlich gar nicht geschehen.

Es gibt beides: Menschen, die zu sorglos sind, und sich dadurch Probleme einhandeln. Und Menschen, die sich zu viele Sorgen machen, über dieses und jenes, und dadurch nicht zur Ruhe kommen.

Das Bibelwort heute ist genau an Zweitere gerichtet. An Menschen, die dazu neigen, sich zu viele Sorgen zu machen.

Ich habe mal einen schönen Vergleich gehört. Sorgen (und Schmerz) verhalten sich wie Gase.

Wenn man Wasser oder eine andere Flüssigkeit in eine Kiste füllt, dann sammelt es sich am Boden. Dann füllt die Flüssigkeit die Kiste nur ein bisschen an. Und gibt man mehr Wasser dazu, dann steigt halt im Gefäß der Wasserspiegel. Aber füllt man Luft in eine Kiste, oder ein anderes Gas, dann verteilt sie sich und ist überall. Wenn man ein Gas in eine Kiste spritzt, dann verteilt es sich dort gleichmäßig und füllt den ganzen Raum aus. Und gibt man mehr Gas dazu, dann wird es einfach etwas dichter.

So wie mit Gasen ist es auch mit den Sorgen. Egal wie groß oder klein, egal wie viele oder wie wenige es sind: Sie haben die Fähigkeit, alles auszufüllen. Sie verbreiten sich in unsere Gedanken, sie verfolgen uns in alle Lebensbereiche.

Auch eine kleine Sorge kann somit als allgegenwärtig empfunden werden. Das ist das Gemeine daran. Oft braucht nur ein Mensch etwas Dummes, Abfälliges sagen, das wir uns zu Herzen nehmen. Im Grunde ist es vielleicht unwichtig. Aber wenn ich es mir zu Herzen nehme, dann spüre ich die Kränkung bis in die letzten Winkel meiner Gedanken.

Das Bibelwort heute will uns hier zum Umdenken bringen: „Sorgt euch nicht so viel. Ihr habt alle miteinander viel mehr Sorgen als nötig.“

Das Gegenmittel gegen Sorgen, sagt die Bibel, ist Gottvertrauen. Wer Gott vertrauen kann, der bekommt eine im Grunde positive Weltsicht. Der weiß im Grunde seines Herzens, dass letztlich alles gut wird.
Er hat das Vertrauen, das eine Sache gut enden kann und gut enden wird. Das Vertrauen, dass mein Leben in einem größeren, guten Zusammenhang steht.

Jesus nimmt hier als Beispiel die Natur mit all ihrem Reichtum und all ihrer Schönheit. Wir müssen sie nur betrachten, studieren, um zu sehen, wie gut unsere Welt gebaut ist. Wie viel – auch an menschlichen Eingriffen – unsere Natur auszuhalten und auszugleichen vermag. Sehen, wie die Blumen jedes Jahr erblühen. Sehen, wie die Felder jedes Jahr Frucht bringen. Es geschieht einfach, jedes Jahr neu, wir brauchen nicht bangen darum, es wird gut. Der Blick auf die Natur kann uns Vertrauen geben.

Auch der Blick auf unser eigenes Leben kann uns Vertrauen schenken. Wenn wir zurück blicken: Es ist so vieles gelungen. Wir haben aus Problemen gelernt und Schicksalsschläge gemeistert. Wir sind reifer geworden, klüger – vieles ist gut geworden: Und so wird auch in Zukunft vieles gut werden. Der Blick auf unser bisheriges Leben kann uns Vertrauen geben.

Auch der Blick auf Jesus kann uns Zuversicht lehren. Dieser Jesus, der wirklich kein leichtes Leben hatte. Dieser Jesus, der verlacht, verfolgt, angefeindet wurde. Dieser Jesus hatte tief in sich immer das Vertrauen, das Gott es richten werde. Dieses Vertrauen hat erst ermöglicht, dass er so bedingungslos für andere eintreten konnte. Der Blick auf Jesus kann uns Vertrauen geben.

Jesus sagt uns also im Bibelwort: „Sorgt euch nicht.“ Das ist leicht gesagt und schwer getan. Aber solche Bibelsätze wie jener heute, haben eine besondere Kraft. Ich muss sie mir, wie ein Mantra, immer wieder vorsagen: „Darum sage ich euch: Sorgt nicht um euer Leben, was ihr essen und trinken werdet; auch nicht um euren Leib, was ihr anziehen werdet.“ Diese Worte entwickeln ihre Kraft, wenn man sie sich nur immer wieder selber zusagt.

Und wem das nicht reicht, der kann auf drei Sachen blicken, die ihm Mut machen können. Das eine ist die Schönheit der Natur, die einfach ist, einfach gut ist. Das zweite ist der Blick auf das eigene Leben, in dem sich doch immer wieder so Vieles zum Guten gewendet hat. Das dritte ist schließlich der Blick auf Jesus, der uns zeigt, dass auch in den dunkelsten Momenten des Lebens eine Hoffnung herrscht, niemand von Gott verlassen ist.

Sorgt euch nicht!

Amen.