Predigt vom 11. Jänner: Die Taufe Jesu

Predigt vom 11. Jänner: Die Taufe Jesu

Predigt über Mt 3, 13-17 vom 11. Jänner 2015 in der Gnadenkirche Rosenau, Pfarrer Roman Fraiss.

Predigttext

13 Zu der Zeit kam Jesus aus Galiläa an den Jordan zu Johannes, dass er sich von ihm taufen ließe.
14 Aber Johannes wehrte ihm und sprach: Ich bedarf dessen, dass ich von dir getauft werde, und du kommst zu mir?
15 Jesus aber antwortete und sprach zu ihm: Lass es jetzt geschehen! Denn so gebührt es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen. Da ließ er’s geschehen.
16 Und als Jesus getauft war, stieg er alsbald herauf aus dem Wasser. Und siehe, da tat sich ihm der Himmel auf, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube herabfahren und über sich kommen.
17 Und siehe, eine Stimme vom Himmel herab sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.

 

Liebe Gemeinde!

Die Taufe ist nicht einmal in meinem Leben, und damit ist sie vorbei, erledigt, abgehakt, und ich kann mich anderem zuwenden. Die Taufe ist nur der Anfang von etwas viel Größerem. Das war bei Jesus so. Das ist bei uns so.

Es gibt in uns immer zwei Kräfte. Den Willen zum Guten und den Willen zum Schlechten, zum Zerstörerischen. Es gibt die Nächstenliebe und die Eigenliebe. Es gibt die Hingabe und die Rücksichtslosigkeit. Martin Luther nennt diese dunkle Tendenz in uns den „alten Adam“. Wenn wir den überwinden, dann ist unser Weg frei zu einem guten, gerechten Leben im Geiste Gottes.

Und so kann Luther im Großen Katechismus schreiben: Das Werk der Taufe besteht in nichts anderem „denn die Tötung des alten Adams, darnach die Auferstehung des neuen Menschen, welche beide unser Leben lang in uns gehen sollen, also dass ein christlich Leben nichts anders ist denn eine tägliche Taufe, einmal angefangen und immer darin gegangen.“

Unser Leben lang stehen wir also in dieser Spannung zwischen dem richtigen und dem falschen Verhalten. Damit wir richtig handeln, damit wir den Versuchungen widerstehen, schickt Gott uns zur Unterstützung so eine Art Joker. Er schickt uns seine Hilfe, sprich: seinen Geist. Gottes Hilfe (in Form des Heiligen Geistes) soll uns die Kraft geben.

Beides ist also nötig: Die Taufe und Gottes Geist. Die einmalige Entscheidung und danach der richtige Lebenswandel. Ich muss den richtigen Weg erst wählen, dann gehen.

Und deshalb hören wir hier bei der Taufe Jesu auch von beidem: Da wird Jesus getauft und es kommt der Geist Gottes zu ihm. Das ist aber keine Automatik. Es ist nicht so: Jeder, der getauft ist, geht automatisch den richtigen Weg und wird ganz automatisch vom Heiligen Geist begleitet. So einfach ist es ja nicht. Wir haben das in der Lesung aus der Apostelgeschichte gehört. Da sind die neuen Christen schon getauft, aber Petrus und Johannes müssen extra noch einmal zu den Leuten reisen, damit sie auch Gottes Geist erhalten. Die Taufe allein reicht hier noch nicht. Es braucht die Unterstützung erfahrener Christen und Christinnen.

Taufe und Geist gehören zusammen und sind doch verschieden. Mit der Taufe gehören wir zu Gott. Aber das heißt noch nicht, dass wir uns auch automatisch als zu ihm gehörig verhalten. Das ist noch ein weiterer Schritt, der Manchen sehr schwer fällt. Das ist wie mit der Staatsbürgerschaft. Ich kann die österreichische Staatsbürgerschaft beantragen und verliehen bekommen, ohne wirklich im Herzen Österreicher zu sein. Das sind zwei Paar Schuhe. Das Gefühl, wirklich Österreicher zu sein, sollte im Idealfall dann in mir heranwachsen. Das sollte dann langsam werden.

Unter uns Pfarrern wird das immer am heftigsten diskutiert bei Fußballspielen. Die oberösterreichische Pfarrerschaft ist ja interessant zusammengesetzt. Ein Drittel sind gebürtige Österreicher, ein Drittel ungefähr gebürtige Deutsche und dann noch ein Drittel Siebenbürger. Wir haben da, zum Beispiel, den Kollegen N.N.. Er stammt aus Norddeutschland. Der hat vor ein paar Jahren die österreichische Staatsbürgerschaft angenommen. Das hindert ihn aber nicht daran, beim Fußball immer noch zu Deutschland zu helfen. Da haben wir oft die heißesten Diskussionen. Ab wann ist man Österreicher? Ab wann ist man Christ?

Ich weiß. Dieser Vergleich hinkt wie jeder andere Vergleich auch hinken muss. Aber Sie merken, vielleicht, worum es mir geht. Dem einmaligen Akt der Taufe muss etwas folgen. Ich muss im Herzen und im Handeln dieses Christ-Sein verwirklichen.

In der Taufe sagt Gott „Ja“ zu uns. Dieses „Ja“ sagt er nicht einmal. Das sagt er uns jeden Tag neu zu. In jedem Gottesdienst erfahren wir es neu. Immer wieder kann ich nach unserer gemeinsamen Bitte „Herr, erbarme dich“ mit einem heilsamen Bibelwort antworten. Weil Gott sich eben immer neu erbarmt.

Aber genauso wie Gott immer neu „Ja“ zu uns sagt, genauso sind wir eingeladen, immer neu „Ja“ zu Gott zu sagen. Ein christlich Leben, schreibt deshalb Luther, ist nichts anderes denn eine tägliche Taufe.“ Immer neu sagt Gott „Ja“ zu uns. Immer neu sagen wir „Ja“ zu Gott. Auch das wird im Gottesdienst deutlich. Denn bald nachdem Gott im Gnadenwort zu uns gesagt hat: Ich vergebe dir. Schon bald danach sind wir im Glaubensbekenntnis eingeladen, unser „Ja“ zu Gott zu bekräftigen. Das Glaubensbekenntnis gehört deshalb ganz bewusst gesprochen. Das ist mein immer neues Bekenntnis zu diesem Gott. Immer neu muss ich es mir überlegen, ob ich es denn wirklich sagen kann. Immer neu sage ich es, weil ich mich zu Gott bekennen will.

Ich habe da noch ein anderes Bild für sie, besser wohl als das Bild mit der Staatsbürgerschaft. Die Ehe! Auch da sage ich einmal am Hochzeitstag „Ja“ zum anderen. Aber es ist ein bisserl schwach, wenn ich es ab da nicht mehr sage. Stellen Sie sich das vor! Der Partnerin sage ich nicht mehr, dass ich sie liebe. Sage nie, dass sie mir etwas Besonderes ist. „Das eine ‚Ja’ am Hochzeitstag“, denke ich mir, „wird schon für den Rest des Lebens reichen.“ Das ist genauso kläglich, wie wenn ich sage: „Die Taufe wird schon für mein ewiges Leben reichen.“ Das ist ein gefährliches Spiel.

In der Ehe muss ich „Ja“ zum andern sagen. Immer wieder. Im Reden und vor allem in meinem Verhalten. Ich muss es umsetzen im Alltag. Ich kümmere mich um den Partner, leiste Hilfe, stehe ihm zur Seite, richte mein Leben mit ihm und an ihm aus. Wenn ich das nicht tue, wird meine Ehe nicht halten. Wenn ich meine Frau vor anderen schlecht mache, statt zu ihr zu stehen, wird es nicht funktionieren. Die Taufe ist der Anfang des Weges, nicht schon das Ziel.

In der Apostelgeschichte wird das so beschrieben. Zuerst wurden die neuen Christen getauft. Dann erhielten sie durch die Hilfe der erfahrenen Apostel auch Gottes Geist. Diese Idee haben unsere Kirchen übernommen in der Konfirmation bzw. Firmung. Die Taufe als ersten Schritt. Das Zusprechen von Gottes Geist an den inzwischen herangewachsenen Christen in der Konfirmation als der Nächste.

Dass 14 nicht das optimale Alter für spirituelle Erfahrungen ist, sei da nur am Rande angemerkt.

Aber die Idee dahinter, das Bild dahinter ist klar: Die Taufe ist der Anfang. Der Konfirmandenkurs nun weitere Inspiration, sich Gott zuzuwenden. Und schließlich, in der Konfirmation, erbitten sie den Geist Gottes, der ihnen hilft, diesen Weg zu gehen.

Zurück zu Jesus: Jesus kommt zu Johannes dem Täufer, um sich taufen zu lassen. Und dann geschieht etwas Ungewöhnliches. Johannes will ihn nicht taufen. Er sagt sinngemäß: „Jesus, du hast das aber echt nicht nötig. Du bist seit der Geburt mit Gott verbunden. Du hast seinen Geist.“

Und dann antwortet Jesus ein wenig kompliziert: „Es gebührt uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen.“ Was Jesus damit meint: So soll es sein, deshalb mache ich es auch so. Ich zeige den Menschen vor, wie sie es machen sollen. Und deshalb, Johannes, lass es geschehen.

Johannes tauft Jesus und dann kommt, wie eine Taube, Gottes Geist auf Jesus. Ich weise meine Schüler hier immer auf ein Wort hin. Gottes Geist kam wie eine Taube, nicht als Taube. Das soll helfen, nicht alles zu bildlich zu verstehen. Wie ein Taube kam also nun der Geist Gottes zu ihm.

Und dann sagt Gott etwas zu Jesus, was Gott bei unserer Taufe auch zu uns gesagt hat. „Du gehörst nun zu mir. Du bist mein Kind.“ Bei Jesus sagt er das natürlich eine Stufe deutlicher: „Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.“

Im Leben von Jesus ist vieles vorgezeichnet, was auch für unser Leben gilt. Er lebt einen guten Weg, er zeigt ihn uns vor. Deshalb lässt er sich auch taufen. Es ist seine Einladung an uns, uns auch taufen zu lassen.

Aber dann eben auch weiterzumachen im Geiste Gottes, im Geiste Jesu.

Das wird bei Jesus besonders deutlich. Denn mit der Taufe beginnt seine öffentliche Wirksamkeit. Mit der Taufe beginnt sein Leben als Messias so richtig.

Wie gesagt: Die Taufe ist erst der Anfang. Dann sollte es sein, dass langsam auch in uns das Gefühl der Zugehörigkeit zu Gott wächst. Dann sollte es sein, dass wir diesem „Ja“ in der Taufe auch ein Leben folgen lassen, dass diesem „Ja“ gerecht wird. So wie Gott zu uns, täglich neu, „Ja“ sagt, so können auch wir uns in Taten und Worten immer neu mit Gott verbunden zeigen.

Amen.