Predigt zum Kirchweihfest: Sonne der Gerechtigkeit

Predigt zum Kirchweihfest: Sonne der Gerechtigkeit

Predigt von Pfarrer Fraiss zum Kirchweihfest 2013 über Maleachi 3, 13-20

 

13 Der HERR sagt: »Was ihr da über mich redet, geht zu weit! Ihr fragt: ‚Was sagen wir denn über dich?‘

14 Ihr sagt doch: ‚Es ist ganz vergeblich, dass wir Gott die Treue halten. Was haben wir davon, dass wir seine Gebote genau befolgen und uns in Demut vor ihm, dem Herrscher der Welt, beugen?

15 Wir preisen die Menschen glücklich, die sich frech und stolz gegen den HERRN erheben! So böse sie sind, immer geht es ihnen gut. Sie fordern Gott heraus, aber sie müssen es nicht büßen.’«

16 Der HERR […] hat die Namen aller, die ihn ernst nehmen und ehren, in ein Buch schreiben lassen, damit sie vor ihm in Erinnerung bleiben.

17 Und er, der Herrscher der Welt, hat gesagt: »An dem Tag, an dem ich eingreife, wird es sich erweisen, dass sie mein persönliches Eigentum sind. Ich werde sie verschonen wie ein Vater seinen gehorsamen Sohn.

18 Dann werdet ihr wieder den Unterschied sehen zwischen Bösen und Guten und ihr werdet erleben, was es ausmacht, ob jemand Gott gehorcht oder nicht.

20 Euch aber, die ihr meinen Namen fürchtet, soll aufgehen die Sonne der Gerechtigkeit und Heil unter ihren Flügeln.

 

Liebe Gemeinde!

Der Prophet Maleachi gibt hier Antwort auf eine Frage, die Menschen immer schon bewegt hat. „Macht es Sinn, an Gott zu glauben?“

Wir glauben oft, diese Frage ist ein Markenzeichen unserer Zeit. Heute, erst, würden die Leute so klug und kritisch sein, Gott zu hinterfragen. Mitnichten.

Um das Jahr 450 vor Christus lebte der Prophet Maleachi. Schon damals gab es viele Menschen, die Glaube für Unfug hielten. Schon damals gab es viele, die es für ertraglos hielten, sich für andere aufzuopfern, zu teilen, rücksichtsvoll zu sein. Sie sagten: „So viel Unrecht gib es – wo gibt es da Gott?“ „So viel Erfolg fahren die Rücksichtslosen ein – warum sollen wir da anständig bleiben?“

Das gibt es ja heute ebenso, dass Menschen, die rücksichtslos und egoistisch sind, damit Erfolg haben. Das gibt es bis heute, dass Politiker sich bereichern und damit durchkommen. Das gibt es bis heute, dass Menschen hinterhältig sind und Lügen verbreiten, bloß um selber ein bisschen besser dazustehen. Und damals haben die Leute gesagt: „Es ist ganz vergeblich, dass wir Gott die Treue halten. Was haben wir davon, dass wir seine Gebote genau befolgen und uns in Demut vor ihm beugen?  Wie gut geht es den Menschen, die sich frech und stolz gegen den HERRN erheben! So böse sie sind, immer geht es ihnen gut.“

Wozu also an Gott glauben, wenn man immer nur draufzahlt, wenn es gar nichts bringt? Das war die Frage, die man dem Propheten Maleachi gestellt hat. Er antwortet den Menschen vor 2.500 Jahren im Grunde folgendes: Ein gutes Leben zu führen hat seinen Lohn. Es lohnt sich, ehrlich, gerecht, freundlich, für andere da zu sein. Das lohnt sich! Vielleicht lohnt es sich nicht auf deinem Bankkonto. ­Aber der Wert des Lebens hängt doch nicht am Besitz! Was nutzt alles Geld, wenn du von Neid und Ärger verfolgt, von Unzufriedenheit getrieben bist?

Und selbst wenn es den Rücksichtslosen heute gut geht, sagt Maleachi: Gott rechnet nicht auf Tage oder Wochen oder Monate. Sein Blick geht weiter. Ob jemand heute Erfolg hat mit seinen Lügen ist vor Gott unwesentlich. Ob jemand heute Geld bekommt durch seine Rücksichtslosigkeit hat auf lange Sicht keinen Wert. Denn das Menschenleben wird nicht in Erfolg oder Geld oder Posten gemessen. Diese Werte sind keine Werte vor Gott. Aber es sind letztlich auch keine Werte von den Menschen. Wir fühlen doch alle, was uns glücklich macht. Es ist Menschlichkeit, Freundlichkeit, Freundschaft, Angenommensein. Das tut uns gut.

Der Prophet sagt folgendes: Denen, die sich im Leben ihren Glauben und ihre Anständigkeit bewahrt haben, über denen wird – und jetzt verwendet er ein wunderbares Bild – über denen wird die Sonne aufgehen; über denen wird leuchtend und wärmend die Sonne der Gerechtigkeit aufsteigen.

Über dir, sagt der Prophet bildhaft, wird die Sonne aufgehen. Dein Leben wird Wärme und Licht erfahren. Vielleicht hast du nicht die Macht, die du durch Gewalt erreicht hättest. Vielleicht hast du nicht die Berühmtheit, die du durch Egoismus erlangt hättest. Vielleicht hast du nicht das Geld, das du durch Lügen und Rücksichtslosigkeit angehäuft hättest. Aber du erfährst Wärme und Licht in deinem Leben. Dir widerfährt Liebe, widerfährt ehrliche Wertschätzung, Respekt. Du bist zufrieden. Dein Leben wird gut. Und dieser Lichtschein Gottes, der geht weiter, über dein Leben hinaus, leuchtet dir den Weg zum Leben bei Gott. So geht es den guten Menschen: Über ihrem Leben geht die Sonne auf, die Sonne der Gerechtigkeit.

Und damit sind wir bei unserem „Wandbehang der Vereine“.

Denn was bedeutet es, sich in einem Verein zu engagieren? Das ist doch genau das: Für andere einzutreten; ohne finanzielle Entlohnung sich an einer Gemeinschaft zu beteiligen.

Und was passiert in einem Ort, in dem Menschen sich einbringen? Da wird es hell, da findet sich Wärme. Da geht – bildlich gesprochen – die Sonne auf. Deshalb geht auch auf unserem Wandbehang in der Mitte die Sonne auf. Diese Sonne soll erinnern an die Worte aus Maleachi: Euch wird die Sonne der Gerechtigkeit aufgehen.

Unter der Sonne finden wir unsere Kirche. Sie steht dort in zweierlei Symbolik. Zum einen steht sie für die Rosenau, deren markante, bauliche Mitte sie ja ist. Sie steht für die Ortsgemeinschaft, in der es Miteinander so lebensnotwendig braucht – und gemeint sind hier natürlich alle Ortsgemeinschaften egal ob Kemating oder Haining oder Lenzing doer wozu auch immer sie gehören. Hier in der Rosenau eben versinnbildlicht durch ein Symbol für die Rosenau, das aber an jedem Ort durch ein anderes Symbol ersetzt werden könnte.

Aber dieses Kirchengebäude hat für uns hier auch noch eine zweite Bedeutungsebene. Die Kirche steht in der Mitte, weil der Glaube an das Gute, das Vertrauen in Gott, die Mitte unseres Lebens bilden sollte. Die Mitte, damit unser Leben in Balance bleibt. Die Mitte, aus der wir Stärkung erfahren. Und über dieser Kirche geht die Sonne auf. Die Sonne der Gerechtigkeit. Die Sonne geht auf, wenn Menschen ehrlich und gut (und fromm) sind. Die Sonne geht dort auf, wo Menschen in Vereinen uneigennützig zusammenarbeiten, sich für andere einsetzen.

Sie merken: So fern die Worte des Propheten Maleachi aus dem Jahr 450 vor Christi beim ersten Hören klingen mögen – das ist nichts Fernes, nichts Abgehobenes, von dem die Bibel spricht. Da geht es um ganz einfache, menschliche Fragen.

Die große Frage: Wie gestaltest du dein Leben? Bemühst du dich, ein aufrechter, ehrlicher, hilfsbereiter Mensch zu sein? Oder möchtest du einfach nur der Beste, der Erfolgreichste sein, egal um welchen Preis?

Maleachi hat es uns gesagt: Es lohnt sich, ein gutes, gerechtes Leben zu führen. Wenn Menschen sich in eine Gemeinschaft einbringen, dann geht dort ein Stück weit die Sonne auf. Dann wird einander geholfen. Dann gibt es menschliche Wärme. Dann gibt es Stunden des Miteinanders, der Zufriedenheit, die so ungleich mehr wert sind als Geld.

Die Sonne geht uns auf, wenn Menschen zusammen halten. Die Sonne wärmt uns, wenn Menschen Gemeinschaft haben. Die Sonne weist uns den Weg zum wahren Leben, wenn wir in Gott unsere Mitte finden. Die Sonne der Gerechtigkeit geht über uns auf!

Amen.