Predigt zur Konfirmation 2015 - Was wir vom Zauberwürfel lernen können

Predigt zur Konfirmation 2015 – Was wir vom Zauberwürfel lernen können

Predigt zur Konfirmation 2015 in der Rosenau am 17. Mai. Pfr. Roman Fraiss

„Was wir von Rubiks Würfel lernen können“ 

Bibelstelle 1Tim 6, 12-16

 

Liebe Gemeinde!
Liebe Konfirmanden und Konfirmandinnen!

Ich habe vor ein paar Monaten im China Restaurant so einen Würfel geschenkt bekommen. Dieser Zauberwürfel ist ein mechanisches Geduldsspiel, das vom ungarischen Architekten Ernő Rubik erfunden wurde. Es erfreute sich insbesondere Anfang der 1980er Jahre großer Beliebtheit. Rubik hat zur Entstehung folgendes erklärt. Er wollte durch ein dreidimensionales Geduldsspiel seinen Studenten eine Möglichkeit geben wollen, ihr räumliches Denkvermögen zu trainieren.

Wissen Sie, übrigens, warum Konfirmanden den Würfel nicht lösen können? Weil sie dazu ihr Handy aus der Hand legen müssten.

Aber, ganz abgesehen davon, können wir, könnt ihr anhand dieses Würfels einiges lernen.

1: Ich muss nicht alles können

Die erste Lehre ist folgende: Ich muss nicht alles können! Mein Bub, der Peter, hat den Würfel damals gleich an sich gerissen und damit gespielt. Und dann wollte er, dass er wieder so wird, wie am Anfang. Und hat es probiert und probiert – und natürlich nicht geschafft. Und dann kommen manchmal Ärger und Zorn bei Kindern, wenn etwas nicht hinhaut. Sie setzen sich etwas in den Kopf, wollen etwas – und dann geht es nicht. Da fließen manchmal sogar Tränen. Aber bei euch Größeren oder bei uns Erwachsenen ist es ja auch nicht so viel anders. Wir wollen etwas haben oder können und sind dann ganz frustriert, wenn es nicht gelingt. Wir stoßen in unserem Leben oft an Grenzen. Grenzen unserer Fähigkeiten. Grenzen, auch, unserer Gesundheit. Auch Altersgrenzen. Bei euch Konfirmanden beginnt das schon. Es gibt Berufe, die könnt ihr nicht mehr erlernen, weil ihr schon zu alt dafür seid. Rhythmische Sportgymnastik zu Beispiel. Da hättet ihr in der Volksschule beginnen müssen. Das ist jetzt für euch nicht tragisch, aber es geht auch bei euch schon los. Das Leben liegt vor euch. Euch stehen fast alle Wege offen. Aber ihr könnt nicht alle Wege wählen. Ihr müsst euch entscheiden. Keiner kann alles. Wir stoßen im Leben immer wieder an die Grenzen unserer Möglichkeiten, unserer Gesundheit, unserer Zeit. Damit müssen wir umgehen lernen.

Gott sagt hier zu uns: Wenn du eine deiner Grenzen erreichst, wenn du fällst, dann kannst du niemals tiefer fallen als nur in meine Hand.

Wir müssen unsere Begrenztheit einsehen und akzeptieren. Das kommt manchmal in der Schule ganz falsch rüber. Da wird immer besonders viel Aufmerksamkeit dem gewidmet, was ihr nicht könnt. Mathe oder Englisch oder keine Ahnung. Und dann geht alle Energie beim Lernen in den Bereich, in dem man eigentlich am Schlechtesten ist. Im Grunde wäre es besser, die Stärken zu fördern. Das führt manchmal dazu, dass Kinder glauben sie seien schlechter oder dümmer als andere. Das stimmt nie! Sie können nur manche Sachen nicht so gut. Andere aber dafür umso besser. Ein Mensch ist nicht nur sein Zeugnis. Er ist unendlich viel mehr.

Nur weil ich den Würfel nicht lösen kann, kann ich z.B. trotzdem Pfarrer sein. Nur weil ich keine Gleichungen lösen kann, kann ich trotzdem Spitzenkoch werden, ganz egal. Jeder von euch kann unendlich viel mehr, als ihr bis jetzt an euch entdeckt habt.

Gott hat euch mit unüberschaubar vielen Talenten geschaffen.

2: Auch Freunde dürfen und sollen Fehler machen

Unser Peter hat dann irgendwann eingesehen, dass das mit dem Würfel nicht geht. Und dann folgte gleich die zweite Lektion für ihn. Er hat den Würfel mir gegeben und gesagt: „Papa, mach du das!“ So kleine Kinder glauben ja noch, dass Eltern alles können und wissen. Ich kann mich erinnern, auf der Autobahn vor ein paar Jahren hat mich Peter immer gefragt: Wohin fährt das Auto, und wohin das und wohin das, weil er sicher war, der Papa weiß das alles.

Der Papa kann das nicht, so einen Würfel lösen. Eltern können auch nicht alles. Das habt ihr Konfirmanden natürlich längst erkannt. In eurem Alter ist es dann oft umgekehrt. Da meint ihr vielleicht, dass die Eltern eigentlich gar nichts so richtig können und alles falsch machen. Aber auch diese Ansicht wird neuen Einsichten weichen.

Aber ganz grundsätzlich: Das ist die zweite Lehre fürs Leben: Auch Freunde dürfen und sollen Fehler machen.

Das müssen wir bei unseren Freunden und unserer Familie akzeptieren. Es ist nichts dümmer und verletzender, als wenn man sich über die Schwächen der anderen lustig macht. Denn wir alle haben Schwächen. Das gehört zu uns dazu. Ja, das macht uns erst liebenswert. Stellt euch vor, wie nervend ein Mensch wäre, der alles immer richtig macht, der nie Fehler macht. Den würde ich auf Dauer nicht aushalten.

Trotzdem, oder gerade deshalb, haben wir oft eine Freude daran, andere schlecht zu machen. Wir brauchen nur einen wunden Punkt zu finden, an dem sie uns unterlegen sind – schon reiten wir darauf herum. Das kann man großartig bei Quizsendungen im Fernsehen beobachten. Wenn ein Kandidat eine Frage nicht beantworten kann, die wir wissen, dann denken wir: „Wie dumm ist denn der! Das weiß doch jeder!“ Aber wenn er eine Frage weiß, von der wir keine Ahnung haben, dann sagen wir: „Der ist klug. Das weiß doch kein normaler Mensch.“ Wir gehen viel zu sehr von uns selber aus. Akzeptieren wir die Grenzen der anderen und erkennen wir unsere eigenen – dann kommen wir zu einem guten Miteinander.

3: Du kannst dir Hilfe holen

Die dritte Lehre aus diesem Würfel für dein Leben ist ganz einfach. Die Einsicht lautet: Du kannst dir Hilfe holen. Wenn du etwas nichts kannst, dann such dir Hilfe.

Und manchmal kommt die Hilfe von irgendwo her, von wo du es gar nicht vermutest! Zum Beispiel: Gott hilft im Leben so viel. Wir rechnen nur zu wenig damit.

Im Fall unseres Würfels kam die Hilfe auch von ganz unerwarteter Seite. Ein Konfirmand konnte das. Martin! Er hat den Würfel dann wieder so gedreht, dass unser Peter zufrieden war. Es gibt Hilfe. Sie kommt nicht immer gleich, aber sie kommt. Und sie kommt oft überraschend. Und oft kommt sie von Gott.

Wir müssen allerdings um Hilfe bitten. Wenn ich niemandem gesagt hätte: „Ich suche wen, der sich da mit dem Würfel auskennt“ – mir hätte niemand geholfen. Und wenn ihr niemandem von euren Sorgen erzählt, alles in euch hinein fresst – dann wird auch niemand helfen können. Du kannst dir Hilfe holen, du musst es aber auch ansprechen.

4: Du wirst Gott finden, wenn du Zeit investierst 

Irgendwann zwischendurch hat mich auch einmal der Ehrgeiz gepackt, und ich habe mir gedacht: „Wenn der Martin das kann, dann muss ich es auch doch auch irgendwie schaffen mit diesem Würfel.“ Ich habe mich also an den Computer gesetzt und habe begonnen nachzulesen, wie das geht.

Ich habe es wieder aufgegeben. Es war kompliziert und lang – und üben hätte ich es trotzdem müssen. Ich bin jetzt der Meinung: Ich hätte es vielleicht lernen können, aber es hätte mich sehr viel Zeit gekostet.

Und – das ist die vierte Lehre –: Wir können sehr viel erreichen, wenn wir es wirklich wollen und ans anstrengen. Für etwas, was ich wirklich will, muss ich auch Zeit investieren und Übung. Ich kann musikalisch noch so talentiert sein – ich muss an meinem Instrument üben. Ich kann handwerklich geschickt sein, und muss doch in der Lehre noch ganz viel ausprobieren und Erfahrungen sammeln. Manche Dinge muss ich wirklich wollen und mich darauf einlassen, sonst geht es nicht.

Das ist genau so auch mit Gott. Ich kann nicht im Vorbeigehen glauben. Ich kann nicht einmal im Jahr ein Kerzerl in einem Kircherl anzünden und glauben, das Hergotterl wird mich schon deswegen erlösen.

Glaube an Gott ist eine Lebenseinstellung. Und auch da muss ich was tun, muss ich mich einlassen drauf. Wenn ich schon zwei Stunden probieren muss, um diesen blöden Würfel zu knacken… Wie viel mehr Zeit sollte ich dann Gott schenken! Und wie gut ist meine Zeit investiert, wenn ich nach Gott frage. Ihr könnt eure Stunden weiß Gott sinnloser vergeuden!

Was ist damit gemeint, etwas tun, mich auf Gott einlassen? Zum Beispiel in den Gottesdienst kommen. Das ist Zeit, in der ich von Gott höre, bete, nachdenke. Das tut gut. In die Bibel schauen. Vielleicht auch mal wieder eure Konfi Mappe in die Hand nehmen. Mein Vorschlag: Legt euch Bibel oder Konfi Mappe nebens Bett und schaut am Abend mal rein, wenn ihr noch nicht gleich schlafen könnt. Etwas tun für den Glauben – das heißt auch: Mal nachdenken über mein Verhalten. Ist es im Sinne Gottes, wenn ich dich auslache, weil du das nicht kannst? Ist es im Sinne Gottes, wenn ich eine Freundin habe und sie betrüge? Ist es im Sinne Gottes, wenn ich dir nicht helfe, nur weil ich grad keine Lust hab‘?

Vier Gedanken also, die ich euch heute mitgeben möchte:
– Ich muss nicht alles können.
– Auch Freunde dürfen und sollen Fehler machen.
– Du kannst dir Hilfe holen, auch bei Gott.
– Du wirst Gott finden, wenn du Zeit investierst.

Ich werde diesen Würfel nie lösen können, wenn ich mich nicht hinsetze und lerne, wie es geht. Ich werde nie wirklich eine Beziehung zu Gott aufbauen, wenn ich nicht doch manchmal am Sonntag in der Kirche sitze und ernsthaft bete und über Gott nachdenke. Ich kann euch nichts anderes sagen: Es braucht Zeit und Ernsthaftigkeit.

Mit einem Konfirmationsschein im Kasten und einem Kreuz an der Wand ist es nicht getan.
Aber mit Gott in deinem Herzen schon. Und was wünsche ich euch heute.

Amen.