Predigt zur Segnung des neu gewählten Presbyteriums

Predigt zur Segnung des neu gewählten Presbyteriums

Predigttext: 1. Johannesbrief, Kapitel 1, Verse 5-10 (Predigt vom 21. Oktober 2018)

 

5 Und das ist die Botschaft, die wir von ihm gehört haben und euch verkündigen: Gott ist Licht, und in ihm ist keine Finsternis.

6 Wenn wir sagen, dass wir Gemeinschaft mit ihm haben, und wandeln doch in der Finsternis, so lügen wir und tun nicht die Wahrheit.

7 Wenn wir aber im Licht wandeln, wie er im Licht ist, so haben wir Gemeinschaft untereinander, und das Blut Jesu, seines Sohnes, macht uns rein von aller Sünde.

8 Wenn wir sagen, wir haben keine Sünde, so betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns.

9 Wenn wir aber unsre Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit.

10 Wenn wir sagen, wir haben nicht gesündigt, so machen wir ihn zum Lügner, und sein Wort ist nicht in uns.

 

Liebe Gemeinde!
Liebe Presbyter und Presbyterinnen!

Gott ist Licht. Wo Gott ist, da ist es hell. Oder, wie wir beim Segnen gesungen haben: Wo die Liebe wohnt, da ist unser Gott.

Licht zu den Menschen bringen! Licht teilen, gerade dort, wo es dunkel ist! Das ist eine Aufgabe für Presbyter und Presbyterinnen. Wir haben uns in der zweiten Sitzung die Kirchenverfassung angesehen und die Liste, was alles Pflichten des Presbyteriums sind. Von den Beginnzeiten der Gottesdienste bis zum Abschluss von Verträgen. Das ist aber nur ein Aspekt.

Dahinter steht, darüber steht der biblische Auftrag. Und den möchte ich heute zusammenfassen mit dem Bild vom Licht. Wir sollen Licht zu den Menschen bringen. Und besonders gehört es zu jenen gebracht, die im Dunkel stehen.

Licht muss nicht viel sein. Es kann ein Lächeln sein, es kann ein Zuhören sein, es kann ein Ernstnehmen sein. Manchmal ist es aber auch mehr. Manchmal braucht es auch Einsatz und Zeit und Mühen, um jemandem zu helfen. Ich kann in einer Stunde einen klugen Text für die Homepage verfassen und schöne Bilder dafür suchen. Ich kann eine Stunde lang auch am Bett eines Kranken sitzen und vielleicht nur ganz wenig sagen. Das eine geschieht im Licht, das sieht jeder. Das andere sieht niemand. Und doch ist gerade Zweiteres unser Auftrag. Nicht nur im Licht stehen, sondern Licht bringen.

 

Wer Licht bringen möchte, so sagt der Predigttext, der muss auch selber im Licht leben. Ich kann nicht Freude bringen, wenn ich selber freudlos bin. Ich kann nicht Liebe bringen, wenn ich lieblos bin. Ich kann nicht freudvoll von Gottes Liebe reden, wenn ich sie selber nicht erfahre.

Da liegt also ein Auftrag an die Presbyter und Presbyterinnen – und eigentlich an uns alle: Auf unseren eigenen Glauben achten. Zuerst sollten wir in Stille, in Ruhe, im Gebet in uns gehen. Dann erst, innerlich gestärkt, im Glauben verankert, nach außen. Der Leben mit Gott ist immer ein Leben von innen nach außen. Das dürfen wir nie vergessen. Sonst verlieren wir ob der vielen Aufgaben drumherum den Kern aus den Augen.

Unser Erfolg wird nicht gemessen an Bench Marks. Es werden keine Leitzahlen aufgestellt, mit deren Erreichen wir uns schmücken können. Was sollen das auch für Zahlen sein? So und so viele Gräber neu vergeben. Oder: So viele Mieteinnahmen erreicht. Oder: So viele Spenden errungen. Nein. Eher schon: So viele Herzen berührt. So viele Menschen bewegt. Aber das kann man ja wieder nicht messen und nicht in Tabellen eintragen.

Kirche ist anders. Gott sei Dank. Da gibt es keine Leistungsprämien. Es sind nicht 100 Vater Unser besser als fünf. Es kann ein Hausbesuch wertvoller sein als zehn. Es geht immer um das Menschliche und um das Göttliche. Und das lässt sich nicht messen: Die Innigkeit, die Ehrlichkeit, die Freundlichkeit.

Man kann die Effektivität des Heiligen Geistes nicht so leicht steigern. Man kann es aber fühlen, wenn es gelingt: die Freundlichkeit, die Offenheit, die Bereitschaft, Fehler zu verzeihen.

Gott sagt: Wo zwei oder drei zusammen sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen. Zwei oder drei und Gott ist dabei. Er schaut nicht, wo die größte Gemeinde ist, er schaut wo zwei oder drei beisammen sind in seinem Namen.

 

Aber – ganz so frei ist es nun auch wieder nicht. Es gibt offenbar doch Kriterien, an denen man Erfolg ablesen kann. Zumindest deutet der 1. Johannesbrief so etwas an. „Wenn wir aber im Licht wandeln, wie er im Licht ist, so haben wir Gemeinschaft untereinander“. Was heißt das? Wenn wir gute Gemeinschaft untereinander erleben, dann ist das ein Zeichen für den richtigen Weg. Das ist doch mal Ziel für ein Unternehmen: Dass die Gemeinschaft stimmt!

Darauf müssen wir hinarbeiten, dass Menschen gerne hier sind. Es ist wie bei einer Predigt. Wenn sie so fad ist, dass keiner mehr hinhört, kann ich die klügsten Sachen unbemerkt sagen. Wenn wir hier Tolles tun, aber keiner kommt, dann ist es auch sinnlos. Die Gemeinschaft ist das Zeichen, an dem man erkennt, dass es passt.

Menschen müssen gerne hier sein. Dann hören sie auch zu, dann denken sie auch nach, dann können wir für sie und mit ihnen beten.

Es geht aber nicht nur um die Gemeinschaft derer, die schon da sind. Wir müssen das Licht tragen auch dorthin, wo es nicht scheint. Wir müssen den Mut haben, die Menschen anzusprechen, die nicht so leicht zu uns finden. Da ist schwer, weil es oft mit Enttäuschungen verbunden ist. Nicht jede Bemühung wird wertgeschätzt!

Ein wenig Opferbereitschaft gehört dazu, zum Dienst in der Kirche. Die Zeiten, als der Titel Kurator einem Ehrfurcht eingebracht hat, die sind vorbei. Wir sind nicht hier für irdischen Ruhm, aber schon, um ein gutes Miteinander zu erleben.

 

Und noch ein Kriterium gibt uns der Johannesbrief. Noch etwas, woran die Mitarbeiter einer Pfarre ihren Erfolg messen können. Er sagt etwas Kurioses: Wenn wir glauben, wir machen alles richtig, dann machen wir es falsch. Wenn wir aber unsere Fehler anerkennen, dann machen wir es richtig.

Niemand von uns ist so fehlerfrei wie er denkt. Deshalb ist nichts Schlimmer, als die eigenen Fehler nicht sehen zu wollen. Etwas besser zu wissen, das ist leicht. Es selber besser zu machen, das ist schwer.

Eine Einstellung führt, sagt der Johannesbrief, in die falsche Richtung: Zu glauben, man selber täte alles richtig. Wenn diese Warnung ein wenig mehr beachtet worden wäre, hätten wir uns viele Streitigkeiten innerhalb der Kirchen erspart. Wie oft wurde gestritten, weil beide Seiten sich im Besitz der Wahrheit wähnten, das Recht allein auf ihrer Seite gesehen haben. Die Bibel hat hier schon vorgesorgt: Wenn ihr glaubt, bei euch ist alles richtig, dann führt euer Weg ins Dunkel.

Du darfst nicht mit dem Gedanken durchs Leben gehen, nur du hättest Recht und die anderen sind alle ahnungslos. Die Katholischen haben gesagt, die Evangelischen sind Ketzer. Die Evangelischen haben gesagt, die Katholischen verstehen die Bibel nicht. Dass beide zugleich Recht und Unrecht gehabt haben könnten, das fiel ihnen nicht ein. Dass manche Dinge mehrere Seiten haben, dass man Unterschiede auch stehen lassen kann, dass fiel ihnen nicht ein. Schließe niemals aus, sagt die Bibel, dass du auch irren kannst. Jeder macht Fehler. Besonders der, der glaubt, keine zu machen.

Diese Einsicht zu haben und leben, das ist ein weiteres Kriterium, an dem wir Erfolg ablesen können. Denn wenn wir die Sünden bekennen, lesen wir da, macht Gott uns frei davon. Sonst nicht, weil wie kann Gott uns freisprechen, wenn wir unsere Fehler selber gar nicht sehen.

 

Gemeinschaft und Einsicht in die eigenen Fehler. Das gibt uns unser heutiger Predigttext mit auf die Reise. Fünfeinhalb Jahre ist nun dieses Presbyterium gewählt, unsere Pfarre zu leiten. Es gibt schon erste Pläne. Wir wollen, dass die Müllentsorgung am Friedhof besser funktioniert. Wir wollen Gräber für Urnen. Wir wünschen uns eine neue Orgel. Wir würden gerne wieder Krabbelgottesdienste einführen. Wir vermieten Wohnungen und sind Träger eines Kindergartens. Da sind viele Möglichkeiten und viele Aufgaben.

Da ist die Gefahr, uns in Details zu verlieren statt das große Ganze zu sehen. Was hat unser Orgelkomitee einmal über die neue Orgel gesagt? Wir dürfen nicht nur auf den Preis und die Pfeifen und den Umbau schauen. Wir müssen schon die Musik hören, die erklingen wird.

So ist es im ganzen Pfarrleben. Wir schauen nicht nur auf die Aufgaben. Wir schauen auf das Licht Gottes und wollen es weitertragen – zu Ihnen und zu vielen, vielen anderen.

Amen!