Unser Glaube ist wie ein Haus - Predigt zur Goldenen Konfirmation

Unser Glaube ist wie ein Haus – Predigt zur Goldenen Konfirmation

Rosenau zur Goldenen Konfirmation 2013

Wir hören heute als Predigtwort ein Wort Jesu aus dem Evangelium nach Matthäus, Kapitel 7, die Verse 24-27.

24 Darum, wer diese meine Rede hört und tut sie, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baute.
25 Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, fiel es doch nicht ein; denn es war auf Fels gegründet.
26 Und wer diese meine Rede hört und tut sie nicht, der gleicht einem törichten Mann, der sein Haus auf Sand baute.
27 Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, da fiel es ein und sein Fall war groß.

Segne die Verkündigung, segne die Hörenden. Amen.

Liebe Gemeinde!

Das heutige Bibelwort fragt, worauf das Haus deines Lebens gebaut ist. Steht es fest oder ist es einsturzgefährdet? Hat es genug Halt oder hat es im Laufe der Jahre wichtige Stützen verloren hat? Wie ist das mit dem Fundament deines Lebens? Ist es fest oder brüchig?
Ich möchte heute überlegen, was ein Haus und der Glaube an Gott gemeinsam haben. Ich möchte mit Ihnen gemeinsam das Bild des Glaubens als das eines Hauses bedenken. Vielleicht spricht das Ihre Erfahrungen an. Viele von Ihnen werden schon ein Haus gebaut haben. Vielleicht können Sie dieses Bild mitnehmen in ihr Leben hinein als Hilfe oder Orientierung.

Womit fängt das Hausbauen an? Zuerst braucht so ein Haus ein solides Fundament. Was ist das Fundament unseres Lebens? Worauf bauen wir? Das ist zum einen unsere Herkunftsfamilie. Da merken wir oft erst wenn wir älter werden, wie sehr sie uns geprägt hat. Seit ich Kinder habe fallen mir ständig Sätze ein, die ich als Kind gehört habe. Meine Oma hat zum Beispiel immer gesagt „Hier sieht es aus wie bei den Hottentotten“. Und wenn ich laut war hatte meine Mama den Standardsatz: „Wenn wir im Gemeindebau leben würden, hätten sie uns dort schon längst rausgeschmissen.“ Vieles bleibt hängen und prägt uns – obwohl es uns gar nicht bewusst ist. Auch der Glaube wird stark geprägt von dem, was uns die Eltern vorleben. Meistens machen es Kinder wie die eigenen Eltern. Manchmal machen sie auch extra das Gegenteil davon.
Kinder lernen ja nicht von dem, was man sagt. Sie lernen am meisten von dem, was man ihnen vorlebt. Leben die Eltern ihren Glauben, gehen sie in die Kirche, dann lernen es die Kinder mit. Wer das nicht lernt, tut sich schwerer mit dem Glauben.
Ein Haus braucht ein solides Fundament. Es muss dem Gebäude einen festen Untergrund, muss ihm Halt geben. Wie oft haben Menschen im Leben das Gefühl, keinen Halt zu haben? Manchmal bricht auch das weg, was Sicherheit gegeben hat, was uns sorglos hat sein lassen: Die Ehe, der Arbeitsplatz, die Familie. In Gott zu ruhen, zu glauben, das ist ein gutes Fundament, das unser Haus noch stützt, auch wenn andere Stützen zerbröseln.

Ist das Fundament einmal da, dann kann ich mit dem eigentlichen Bauen beginnen. Viele von Ihnen, liebe Jubilare, werden an einem oder vielleicht sogar mehreren Häusern mitgebaut haben. Nun geht es endlich darum, die schützenden Wände und das schützende Dach zu errichten. Das ist der Wunsch vieler: Endlich eigene vier Wände. Ein Ort für mich, an dem das Ungemach des Alltags an der Türe draußen bleibt. Ein Dach über dem Kopf, das die Stürme des Wetters und die des Lebens abhält. Schön wäre das!
Aber manchmal halten unsere Wände dem Druck von außen nicht stand, und wir bringen die Stürme des Alltags, bringen Streit, Kummer, die Problem mit nach Hause, und sie machen sich bei uns breit. Wir brauchen für unser Lebens starke Wände, die dem Druck von außen standhalten. Das Vertrauen auf Gott kann die Wände meiner Seele stärken. Es kann mir die Sorgen nicht vom Leib halten, aber manche große Sorge mag kleiner werden, manche Last erträglicher, wenn ich sie von Gott her denke, wenn ich nicht nur mich heute, sondern die Gesamtheit meiner Existenz vor Augen habe.

Und dann steht es endlich fertig da, das Haus. Und dann geht die Arbeit erst richtig los. Der Innenausbau ist ja das Langwierigste. So ein Rohbau ist schnell errichtet, und da sieht man auch die Fortschritte. Aber innen, da geht alles nur sehr langsam weiter. Die Leitungen verlegen, Stecker setzen, Fließen kleben – das dauert. Da braucht man Ausdauer und Geduld.
Mit Gott braucht es das auch. Ich sage meinen Schülern immer. Der Glaube an Gott ist nicht wie bei Mc Donald’s. Da gehe ich schnell hin, bestelle mir schnell den Hamburger, esse ihn schnell und bin schnell wieder weg. Aber so geht es mit dem Glauben nicht. Da geht nichts schnell. Das ist eine Lebenseinstellung. Das braucht Zeit, hinein zu finden. Es braucht Zeit, nachzudenken. Es braucht Zeit, zu beten oder zu meditieren. Geduld und Ausdauer sind nötig, um ein Haus innen einzurichten. Geduld und Ausdauer sind nötig, um Glauben zu entwickeln.
Kaum ist es fertig, gehen die Arbeiten los – man muss dran bleiben, damit es nicht zusammen fällt
Und dann ist das Haus endlich fertig, man zieht endlich ein, alles ist gut – und dann gehen schon die nächsten Arbeiten los. Das eine funktioniert noch nicht, das andere geht schon wieder kaputt, das ist noch nicht ganz fertig, das andere gehört schon wieder renoviert. Ein Haus macht immer Arbeit. Es ist nie einfach nur fertig. Genauso der Glaube an Gott. Der ist auch nie fertig. Der verändert sich und reift und wächst. Er braucht immer neu unsere Aufmerksamkeit.
Aber: Das Haus, es schützt; vor Kälte, vor Regen, vor Stürmen.
Der Glaube schützt vor der Kälte der Welt, vor dem Regen des Misstrauens, vor den Stürmen der Sorgen.

Heute gibt es sehr viele Menschen, die meinen, auf so ein Haus des Glaubens verzichten zu können. Ich nehme an, man kann wirklich ganz gut ohne Glauben leben. Ich gehe aber davon aus, dass man mit Glauben besser lebt. Es ist ein Zusatz zum Leben, der uns gut tut – wie Sport. Ich kann jahrzehntelang gut und bequem leben ohne mich irgendwie körperlich fit zu halten. Es mag aber eines Tages der Zeitpunkt kommen, an dem ich mir denke: Hätte ich doch mehr getan!
Ich kann jahrzehntelang gut ohne Gott auskommen. Aber es mag der Zeitpunkt kommen im Leben, an dem ich froh wäre, wenn ich Vertrauen, Glauben hätte. Es ist möglich, auch dann noch zu turnen, auch dann noch zum Glauben zu finden. Es ist möglich, aber schwerer.
Vielleicht ist für Sie, liebe Goldene Jubilare, heute so ein Tag, an dem ihr Glauben gestärkt, trainiert wird, an dem ihr Haus des Glaubens renoviert wird. Renovieren heißt ja übersetzt: erneuern.
Vielleicht ist für dich, liebe Nora, heute so ein Tag, an dem die zarte Pflanze deines Glaubens Stärkung erfährt, an dem dein Haus des Glaubens weitergebaut wird.
Vielleicht, liebe Gemeinde, ist heute der Tag, an dem Sie wieder ein Stück an ihrem Glaubenshaus bauen, das Ihnen schon in somancher Lebenssituation Schutz und Halt gewesen ist.
Amen.