Orgelsorgen

Orgelsorgen

Ein Bericht unserer Organistin Martina Stix:

Unsere Orgel besteht aus 23 verschiedenen Registern, 2 Manualen und dem Pedal.

Jedes Register bedeutet eine eigene Klangfarbe, d.h. uns stehen 23 Klangfarben zur Verfügung. 8 Register bilden das Hauptwerk, es verfügt über die wichtigsten Pfeifen für das Orgelspiel. Von diesen 8 Registern kann man bei unserer Orgel bis zu 6 Register verwenden. (2 Register sind leider nicht spielbar, da sie so verstimmt sind und man auch aufgrund der Bauweise nicht hin kommt sie zu stimmen.)

Leider hat die Tastatur auch so ihre Tücken. Das Hauptwerk klappert bei jedem Tastendruck. Die Lautstärke der kräftigen Register übertönt dieses Klappern, jedoch beim ruhigeren oder schnelleren Spiel ist es deutlich zu hören.

Das Rückpositiv, das untere Manual unserer Orgel besteht ebenfalls aus 8 Registern. Es sind die ruhigeren Töne aber auch die Solostimmen, die dieses Manual bilden. Rückpositiv – wie der Name schon sagt – einige Pfeifen befinden sich im Rücken des Organisten in einem eigenen Gehäuse. Durch die größere Nähe zum Zuhörer ergibt sich hier ein anderer Klangeindruck. Von diesen 8 Registern sind ebenfalls nur 6 verwendbar, wobei unglücklicherweise einige dieser Register wiederum untereinander mangels Stimmung nicht zusammenpassen.

Von den 7 Pedalregistern sind nur 2 einsetzbar, die anderen sind zu sehr verstimmt und/oder aufgrund der Bauweise auch gar nicht mehr stimmbar. Leider funktionieren zudem nicht alle Pedale, es gibt einige, die keinen Ton von sich geben, obwohl sie gedrückt werden.

Das Reizvolle einer Orgel ist die Kombination ihrer vielen Klangmöglichkeiten. Und hier sehe ich auch die Schwäche unserer Orgel. Die beiden Manuale passen tonal nicht mehr zusammen. Ein Manual ist aufgrund der Stimmung etwas höher als das andere, d.h. spielt man beide zusammen, bzw. wechselt man die Manuale, „reiben“ die Töne aneinander. Auch ein ungeübtes Gehör würde das sofort erkennen.

Vielleicht denken Sie jetzt, Ihnen bis jetzt noch nie etwas in der Art aufgefallen. Das liegt daran, dass natürlich von uns Organisten versucht wird, diese Schwächen zu umgehen, indem z.B. kein Manualwechsel durchgeführt wird. Das ist sehr bedauerlich, da dadurch viele klangliche Möglichkeiten entfallen.

Auch das Orgelspiel mit einem Soloregister – die Solostimme wird auf einem und die Begleitung auf dem anderen Manual gespielt, ist nicht möglich, da wie gesagt die Töne nicht zueinander passen.

In den Wintermonaten muss die Kirche stark beheizt werden und das verstärkt die Probleme unserer Orgel zusätzlich sehr. Es macht so manche Registrierung unspielbar.

Zu diesen bekannten Schwierigkeiten kommen dann noch die spontanen Altersschwächen dazu.
Vor ein paar Jahren fiel einen Tag vor der Konfirmation ein ganzes Manual aus, da eine Taste hängen geblieben ist und diese beim Einschalten der Orgel einen Dauerton verursachte. Es drohte ein Festgottesdienst ohne Orgel zu werden, doch Volker Petri war damals rechtzeitig zur Stelle und konnte glücklicherweise den Fehler beheben.
Es gibt noch weitere Situationen, die uns Organisten ins Schwitzen bringen: z.B. ging dem Blasebalg schon mal die Luft aus, weil er ein Loch hatte. Damals konnte nicht gespielt werden bis das Loch im Blasebalg geflickt war.
Die Register sind ebenfalls schon etwas ausgeleiert und halten nicht mehr so gut, so ist es erst vor kurzer Zeit passiert, dass während eines Choralspiels im Gottesdienst ein Register nachgegeben und einen leicht schiefen, deutlich hörbaren Dauerpfeifton von sich gegeben hat. In diesem Fall kamen kurze Bleistifte, Radiergummis und Papierrollen zum Einsatz, die wir während des Spiels unter den Registerhebel klemmten, damit die Zuhörer nichts mitbekamen.

Zum Abschluss möchte ich den Orgelbeauftragten Matthias Krampe zitieren, der sich unsere Orgel genau angesehen hat: „Der klangliche Zustand ist derzeit stark beeinträchtigt und sehr unbefriedigend. Das Instrument ist im technischen Bereich störanfällig……und hinsichtlich der Funktionssicherheit nicht unproblematisch.“