Wer hat den Heiligen Geist - Pfingstpredigt 2014

Wer hat den Heiligen Geist – Pfingstpredigt 2014

Predigt von Pfingsten 2014 zum Thema: Was ist der Heilige Geist von Pfr. Roman Fraiss

Witz Heiliger Geist

Liebe Gemeinde!

Pfingsten: das dritte große Fest der Christenheit nach Weihnachten und Ostern. Das Kleinste der großen Feste, wenn wir ehrlich sind. Drei große Feste: Eines gilt Gott. Eines gilt Jesus. Und dieses gilt dem Dritten im Bunde, dem Heiligen Geist.

Was ist das, aber, dieser Heilige Geist? Darf ich Sie heute einmal mit Lehrtexten quälen.

Schauen wir zum Bekenntnis, das wir alle tragen: Evangelisch A.B. – wir sind evangelisch nach dem Augsburger Bekenntnis. Was steht dort über den Heiligen Geist? Nicht viel. Gott und Jesus bekommen ein eigenes Kapitel. Der Heilige Geist wird immer nur nebenbei erwähnt.

So zum Beispiel im Kapitel von Jesus. Jesus sitzt zur Rechten Gottes, „dass er alle, die an ihn glauben, durch den Heiligen Geist heilige, reinige, stärke und tröste, ihnen auch Leben und allerlei Gaben und Güter austeile und sie schütze und beschirme […].“ Jesus wirkt an uns durch den Heiligen Geist. So dürfen wir das verstehen.

Und dann finden wir noch eine höchst interessante Bemerkung im Augsburger Bekenntnis: „Aber ohne […] Wirkung des Heiligen Geistes kann der Mensch Gott nicht gefallen, Gott nicht von Herzen fürchten oder an ihn glauben oder nicht die angeborenen, bösen Lüste aus dem Herzen werfen, sondern dies geschieht durch den Heiligen Geist, der durch Gottes Wort gegeben wird.

Was wir hier also lernen ist, dass der Heilige Geist offenbar nötig ist, damit wir zu Gott finden und dereinst zu Gott kommen. Das hat für mich etwas Befreiendes an sich: Es geht nicht um meine religiöse Leistung. Ohne Hilfe geht es sowieso nicht, lernen wir hier. Ich darf schwach sein und darf darauf vertrauen, dass Gott mir helfen wird, zu ihm zu kommen. Wir erfahren hier in diesem Abschnitt unseres Bekenntnisses, dass der Heilige Geist uns reinigen, stärken und trösten kann. Er kann uns heiligen, also so machen, wie Gott uns erdacht hat.

Schauen wir noch zu einem zweiten Bekenntnis. Es gibt ja auch noch unsere Schwesterkirche, Evangelisch H.B., evangelisch-reformiert. Schauen wir doch, wie die das zu erklären versuchen. Der Heidelberger Katechismus lehrt uns hier:

Was glaubst du vom Heiligen Geist?
Erstens, dass er ewiger Gott ist wie der Vater und der Sohn.
Zweitens, dass er auch mir gegeben ist und mir durch wahren Glauben Anteil an Christus und allen seinen Wohltaten gibt, mich tröstet und bei mir bleiben wird bis in Ewigkeit.

Das finde ich sehr spannend. Was soll ich glauben? Dass der Heilige Geist auch mir gegeben ist! Gottes Geist ist in mir. Und, das haben wir vorhin gehört: Gottes Geist hilft mir, zu Gott zu kommen. Er hilft mir, an Gott zu glauben.

Denn, da sind sich alle Kirchen einig, aus eigener Kraft schaffen wir den Weg zu Gott nicht. Es braucht Gottes Entgegenkommen. Das bitte auch bildlich verstehen: Gott muss uns ein Stück des Weges entgegen kommen, sonst ist es uns zu weit, zu schwer, zu unerreichbar. Und dieses Entgegenkommen ist, wenn Sie so wollen, der Heilige Geist.

Das ist ganz wichtig, das ist der Kern des heutigen Festes. Der Mensch bleibt Mensch mit all seinen Fehlern. Wir sind nicht zum Gottsein geboren und machen halt unser Leben nicht so heilig, wie es gut wäre. Wir marschieren nicht geradewegs in den Himmel durch unseren Lebenswandel. Da muss uns Gott schon etwas entgegen kommen, weil uns der Weg zu schwer ist. Und genau das tut er! Das ist Pfingsten! Gott hilft uns!

Wir sollen und dürfen glauben, dass der Heilige Geist uns gegeben ist. So wird es gelehrt. Keine Angst, es nicht zu schaffen. Keine Sorge, Gott nicht recht zu sein. Gott hat uns schon gegeben, was wir brauchen.

Darum feiern wir Pfingsten! Es ist nicht nur das Fest über die Tatsache, dass es den Heiligen Geist gibt. Es waren nicht nur die Jünger damals in Jerusalem im Jahr 33, zu denen der Geist gekommen ist. Es ist der Heilige Geist heute in uns – das ist es, was wir feiern.

Der Heilige Geist in uns. Das ist es. Wir sind Gott recht, weil Gottes Geist bei uns ist. Oder auch andersrum: Weil wir Gott recht sind, deshalb ist Gottes Geist bei uns.

Vielleicht fehlt uns heute nur das nötige Selbstvertrauen oder Gottvertrauen. Wir können uns das ja gar nicht vorstellen, dass gerade in uns Gottes Geist sein soll. „Warum in mir? Ich bin doch gar nicht so gut?“ Früher haben die Menschen vielleicht mehr damit gerechnet, dass Gott konkret bei ihnen ist. Früher haben sie sich vielleicht auch mehr darum bemüht, Gottes Nähe mehr ersehnt als wir.

Aber sind diese Worte des Heidelberger Katechismus nicht auch für uns wunderbar?

Was glaubst du vom Heiligen Geist?
Dass er auch mir gegeben ist und mir durch wahren Glauben Anteil an Christus und allen seinen Wohltaten gibt, mich tröstet und bei mir bleiben wird bis in Ewigkeit.

Wenn uns jemand auf offener Straße entgegen kommt und uns eine Blume schenkt, sind wir skeptisch. Was will er? Will er Geld dafür? Will er uns in ein Gespräch verwickeln? Ich lasse genau diese Übung unsere Konfirmanden machen. Ich lasse sie in der Rosenau herumgehen, und den Leuten, denen sie begegnen, Rosen schenken. Einfach, um Freude zu bereiten. Das ist nicht leicht, sage ich ihnen. Manche lehnen ab, andere weichen überhaupt schon vorher aus. Andere meinen dann doch, Geld dafür geben zu müssen. Es ist eher die Ausnahme, dass es wer annimmt und sich einfach freut.

So kommt es mir auch mit Pfingsten vor. Ich darf Ihnen sagen: Gott will uns beschenken. Mit seinem Geist und damit mit allem, was wir brauchen. Aber es kommt uns komisch vor. Warum gerade uns? Was haben wir denn getan? Da muss doch noch ein Haken dabei sein?

Bei den Rosen unserer Konfirmanden ist es so: Manche nehmen sich selber die Freude, weil sie vor lauter Misstrauen die Freude gar nicht empfinden, annehmen können. Auch das ist doch ein bisschen so wie mit dem Heiligen Geist. Wir nehmen uns selber die Glaubensfreude, weil wir durch Zweifel und Skepsis dieses Geschenk gar nicht richtig annehmen können oder wollen.

Aber, wirklich: Wir dürfen es glauben, dass der Geist auch uns einfach gegeben ist.

Und so bleibt am Ende diese eine Frage, der wir uns ehrlich stellen sollten: Können wir das annehmen? Können wir leben in der Gewissheit, dass Gott bei uns ist?

Amen.