We are the world - Predigt vom 1. Advent

We are the world – Predigt vom 1. Advent

Liebe Gemeinde!

Wir haben vorhin in der Lesung vom Einzug Jesu in Jerusalem gehört. Diese Erzählung wird in unseren Gottesdienst an zwei besonderen Tagen gelesen. Einmal heute, am 1. Adventsonntag. Das zweite Mal am Palmsonntag, kurz vor Karfreitag. Einmal ist die Freude über das Kommen Jesu das Thema, ein andernmal die Wankelmütigkeit der Masse, die heute „Hosianna“ und fünf Tage später „Kreuzige ihn“ schreien kann.

Eine Menschenmasse kann immer beides: Viel Gutes erreichen und zu Schrecklichem verführt werden. Für beides gibt es in der Geschichte genug Beispiele.

Von einem Guten will ich heute erzählen. Von etwas Gutem, das nur möglich wurde, weil die Masse begeistert wurde. Es ist eine Geschichte für jene, die sagen: Da kann man doch nichts machen. Dass Menschen in Äthiopien hungern, da kann man doch nichts machen, haben manche in den 80-er Jahren gesagt. Bob Geldoff, ein amerikanischer Musiker, hat das nicht gesagt. Er hat das Leid gesehen und hat gesagt: Da muss man doch was machen!

Er machte das, was er konnte. Er organisierte das damals größte Konzert der Welt. In London und in Philadelphia spielten abwechselnd die wichtigsten Namen der Musikbranche. 10 Stunden lang. Volle Stadien, weltweite Übertragung, Spendenaufruf um Spendenaufruf. Das alles war 1985. Umgerechnet 102 Millionen Euro wurden an diesem Tag eingenommen. Man kann etwas tun. Die Masse der Zuseher, auch wenn Viele nur wenig gegeben haben, hat viel erreicht.

Die Spenden linderten den ersten Hunger. Und das Volk Äthiopiens hat sich schließlich mit Hilfe der Hilfe selbst geholfen. Die politische Führung, die Bürgerkrieg und Hunger mitverschuldet hat, musste weichen. Ein Neuanfang begann, holprig, aber doch stetig. Von 1990 bis 2015 hat sich das BIP vervierfacht. Äthiopien ist nicht mehr eines der ärmsten Länder, Hunger gelitten wird nicht mehr. Es hat sich etwas verändert.

Wir können etwas verändern!

Damals, 1985, gab es ein Lied, das mit diesem Musikereignis untrennbar verbunden war: „We are the world“. Wir sind die Welt, wir sind ihre Kinder. Wir sind es, die diese Welt zu einem besseren Ort machen können, so lasst uns damit beginnen!

Wir können etwas verändern!

„We are the world“ wurde von Michael Jackson und Lional Richie geschrieben und war die meistverkaufte Single der 80-er Jahre. Heute wird unser Chor dieses Lied mit seiner großen Geschichte singen.

Dieses Lied und seine Geschichten zeigen, dass Veränderung möglich ist. Sie kann ganz klein beginnen. Ein Mann, Jesus, zog im Jahr 33 auf einem Esel in Jerusalem ein. Er wählte den Esel, das Reittier des armen Mannes. Er nahm nicht das Pferd, das Reittier der Könige und Feldherren. Er zog ein mit dem Esel und tat dann keine großen Wunder, sondern kleine Zeichen.

Er tat Zeichen, die jeder Mensch auch machen kann. Er ging zu denen, die Hilfe brauchten statt sich zu sonnen im Licht der Wichtigen. Er sprach mit jenen, die Nähe brauchten, anstatt sich selber in den Mittelpunkt zu stellen. Er erntete auch Widerstand. Denn er kämpfte gegen jene, die sagten: „Das war schon immer so.“ „Das kannst du nicht ändern.“ „Lass es lieber.“

Er konnte etwas ändern. Bis heute erzählen wir von Jesus und seinem Tun. Wir machen das nicht, weil wir ihn als Held verehren. Wir erzählen diese Geschichten, um sie uns als Vorbild hinzustellen. Nicht das Ross, der Esel ist es, auf dem Gott kommt. Nicht in den Palästen war Jesus zu finden, sondern bei den Menschen, die ihn brauchten.

Er hat uns damit einen Weg vorgezeigt. Denn Jesus hat es gewusst:
Jeder Mensch kann etwas verändern.

Bemerkenswert in dieser Erzählung vom Einzug Jesu in Jerusalem ist für mich besonders ein Wort. Ein Wort, das schon im Alten Testament stand, als das Kommen von Jesus vorhergesagt wurde. Da heißt es: Dein König kommt – sanftmütig! Dieser sanftmütige König wurde bereits vom Propheten Sacharja vorhergesagt. Vorhergesagt um 520 vor Christus, in einer Zeit, in der Sanftmut nicht gerade hoch im Kurs war. Gerade hatten die Perser das Großreich der Babylonier mit Gewalt niedergeschlagen. Bald schon würden die Griechen wiederum die Perser vertreiben. Mit Gewalt, versteht sich.

Die Großreiche der Perser, Griechen und Babylonier sind Geschichte, auch das römische Reich, aber die Worte und der Geist dieses einen Königs, der da sanftmütig in Jerusalem einzieht, der besteht unverändert! Da hat einer in einer Welt der Gewalt mit Sanftmut mehr bewirkt als die anderen mit ihren Schwertern.

Du kannst etwas verändern!

Wir erleben den Einzug des Advents in unseren Alltag. Die Masse jubelt dem Advent zu an den Weihnachtsmärkten mit ihren Punschständen und huldigt ihm in den Einkaufstempeln. Die Masse ist nicht immer klug. An der Masse sollten wir uns nicht orientieren. Das hat sich bereits beim Einzug Jesu in Jerusalem gezeigt, als die Masse leicht zu begeistern, aber noch leichter zu enttäuschen war.

Jesus, sanftmütig, hat sich nie an der Masse und ihren Bedürfnissen orientiert. Er hat einfach getan, was richtig war. Als man ihm vorwarf, er hänge ständig mit Sündern ab, sagte er: „Ist doch klar, die Gesunden brauchen keinen Arzt. Nur die Kranken, zu denen muss er kommen.“

Er tat einfach was richtig war, und verändert damit die Welt. Er tat nicht das, was sich die Masse von ihm erwartet hat. Er hat es richtig gemacht, hat es sich aber damit auch richtig schwer gemacht. Würde Jesus wohl heute alle Medienkanäle bespielen von Facebook über Instagram bis Twitter? Oder würde er einfach weiterhin, unbeirrt, zu denen gehen, die ihn brauchen? Würde er einfach weiter das Richtige tun und sich nicht unterjochen lassen von der Lust der Masse nach Helden und Opfern?

Ich denke, das ist das Besondere an diesem König, der da kommt. Er richtet seine Überzeugungen nicht nach Meinungsumfragen aus. Er tut, was zu tun ist, mit oder ohne Zuschauer. Er sucht nicht den Ruhm, er sucht die Menschen, denen er helfen kann. Er hätte es heute mindestens genauso schwer wie damals.  Denn er tut nicht, was die Masse hören will und erwartet.

So war es auch damals. Er wurde empfangen unter lauter Jubelrufen. Als er dann aber anders war, als die Menschen ihn gewollt haben, da haben sie ihn auch schnell wieder fallengelassen. Nur einige Wenige, die ersten Christen und Christinnen: In ihnen hat der Advent überlebt. Sie haben das, was Jesus gebracht hat, weitergetragen in die Welt.

Die Jünger Jesu hätten sagen können: „Jesus ist tot. Die Christen verfolgt. Wir sind so wenige, die anderen so viele? Da haben wir doch keine Chance.“ Aber so haben sie nicht gedacht. Ein Mensch kann etwas verändern. Ein einfacher Fischer wie Petrus, ein Handwerker wie Paulus. Ein Musiker wie Bob Geldoff. Ein Mensch wie du oder ich.

Sehen wir nicht auf die Probleme, die vielleicht kommen. Sehen, und das wäre ja sehr adventlich, sehen wir auf das Richtige und tun wir es. Wie wird es doch so schön besungen in „We are the world“?

Wir können uns nicht Tag für Tag weiter vortäuschen
Dass irgendjemand, irgendwie bald etwas verändert.
Wir sind alle ein Teil von Gottes großer Familie
Und die Wahrheit ist, wie du weißt, Liebe ist alles, was wir brauchen

Wir sind die Welt, wir sind ihre Kinder. Wir sind es, die diese Welt zu einem besseren Ort machen können,
so lasst uns anfangen, zu geben!

Also, schicke ihnen Dein Herz
So dass sie wissen, dass sich jemand um sie kümmert
Und ihre Leben werden stärker und frei sein
Wie Gott es uns gezeigt hat
Als er Stein zu Brot verwandelte
Und so müssen wir alle helfen

Wenn Du am Boden und ausgebrannt bist,
scheint es überhaupt keine Hoffnung mehr zu geben
Aber wenn du nur glaubst,
dann kannst du nicht stürzen.
Lasst uns erkennen,
dass eine Veränderung nur kommen kann,
wenn wir zusammenhalten wie Eins

Amen.