Wo finde ich Glück? Predigt zum Ostersonntag 2014

Wo finde ich Glück? Predigt zum Ostersonntag 2014

Predigt von Pfr. Roman Fraiss zum Ostersonntag 2014 in der Gnadenkirche Rosenau (bzw. vom Ostermontag in der Friedenskirche Vöcklabruck)

Predigttext:
Spr 16, 20: Wer auf das Wort merkt, der findet Glück; und wohl dem, der sich auf den HERRN verlässt!

Liebe Gemeinde!

„Die Kirche muss mit der Zeit gehen“, sagt man. Ob das immer so gut ist, jedem Zeitgeist gleich zu folgen, sei einmal dahingestellt. Aber ich will heute ganz modern sein und Ihnen moderne Ratschläge für Ihr Leben geben. Und wo könnte man gute Ratschläge besser herholen, als aus einer der ganz vielen Zeitschriften, die ja eigentlich hauptsächlich dafür da sind.

Heute habe ich die März Ausgabe der Zeitschrift Cosmopolitan mit. Und darin geht es letztlich um die Frage, wie Frau (eigentlich hauptsächlich Frau) ihr Leben gut meistert. Wenn man die Titelseite so anschaut, kriegen wir gleich eine Ahnung, was man alles besser machen kann in seinem Leben. Da gibt es den Bericht „Boss, ich will mehr. Was sie (außer mehr Gehalt) fordern können.“ Es geht um die aktuellen Modefarben für Lippenstifte im Frühling. Dann ist auch ein bisschen Beziehungsratgeber dabei: „Danke, Ex! So wird sogar ein Mistkerl zum Gewinn.“ Alles Dinge, die man, die frau so braucht.

Aber ein Artikel ist mir dann besonders aufgefallen, weil er in mein Fachgebiet reicht. Es geht darin ums Glück, und was uns glücklich macht. Glück ist ja auch in der Theologie ein großes Thema. Und dieser Artikel will uns nun erklären, warum maßlose Menschen glücklicher sind.

Der Artikel beginnt, indem er uns vor Augen führt, wie durchschnittlich wir alle sind.

„Ein durchschnittliches Menschenleben liest sich, wenn es nach Statistikern geht, ungefähr so: 40 Jahre geschlafen, zwölf Jahre vor dem Fernseher gesessen, 39.334 Euro für Bekleidung und Schuhe ausgegeben, 4239-mal Sex gehabt. Schrecklich. Denn mal ehrlich: wer will am Ende seines Lebens zurückblicken und feststellen müssen, Durchschnitt gewesen zu sein?“

Das ist tatsächlich eine gute Frage. Wenn ich am Ende meines Lebens zurückblicke: Was wird mich da ins Nachdenken bringen? Dass ich im Schnitt genauso viel ferngesehen habe wie andere Menschen? Ich habe auch noch nie ältere Leute darüber jammern hören, dass ihr Leben so durchschnittlich war. Wahrscheinlich stellen sich uns dann andere Fragen. Vielleicht sind dann ganz andere Dinge wichtig als wieviel Bekleidung wir gekauft haben. Vielleicht blicken Sie im Alter zurück auf die vielen Male, an denen Sie von Gott gehört haben, und fragen sich: Warum ist es dieser guten Botschaft eigentlich nie gelungen, ganz in mein Herz zu kommen? Wäre es nicht gut, einen festen Glauben zu haben, gerade jetzt, wo das Ende naht? Wie oft habe ich es gehört: Jesus ist auferstanden! Wie selten habe ich weitergedacht: „Was bedeutet das für mich?“

Was sind die Fragen, die wirklich kommen? Wer weiß?

Aber, Cosmopolitan gibt Antwort. In dieser Ausgabe gibt es drei großartige Ratschläge, wie wir unser Leben besser machen können, wie wir dem Mittelmaß entkommen. Die erste Mittelmäßigkeit ist es, dass wir im Leben so und so viel Geld für Bekleidung und Schuhe ausgeben. Wo bleibt da der Spaß? Denn, ich zitiere wörtlich, „ist es nicht viel amüsanter, 39.334 Euro in einem halben Leben und nur für High Heels auszugeben?“ Ja, liebe Gemeinde, warum tun wir das nicht alle? Ist unser Leben dann nicht um vieles lustiger und besser, wenn wir uns einfach deutlich mehr High Heels kaufen? Dieser Vorschlag steht ernsthaft da.

Gut, wenn Ihnen das nicht so gefällt, hat das Magazin ja eh noch zwei weitere, gute Vorschläge, wie Sie ihr Leben verbessern können. Denn gehen wir zum anderen Problem: Dem Fernsehen. Wir verbringen 12 Jahre unseres Lebens, im Schnitt, vor dem Fernseher. Da ist die Frage schon berechtigt, ob wir nicht noch andere Sachen mit unserer Zeit anfangen möchten. Was ist wert, dass wir mehr Zeit investieren? Was ist so sinnvoll, dass wir dieser Sache unsere Zeit schenken sollen?

Cosmopolitan hat einen guten Vorschlag. Denn, ist es nicht viel amüsanter „die Zeit, die andere in der Woche vor dem Fernseher sitzen, mit Nägel lackieren zu verbringen?“ Das steht ernsthaft da. Wobei, ich als Nicht-Fachmann, könnte mir schon vorstellen, dass man eventuell sogar Nägel lackieren und fernsehen gleichzeitig kann. Aber, ich weiß es nicht genau. Wir müssen uns also wirklich fragen, ob wir die richtigen Dinge anfangen mit unserer Zeit.

Der dritte Ratschlag betrifft nun das Beziehungsleben. Wir entkommen dem Mittelmaß, wenn wir „in einem Monat mehr Typen abschleppen als die drei Kolleginnen zusammen.“ Das wäre natürlich die Erfüllung und würde mich richtig und dauerhaft glücklich machen.

Begründet wird das übrigens damit, dass wir den „Flow“ brauchen. Weil das fühlt sich, Zitat, „irre gut“ an. Na dann! Das ist ja die Begründung schlechthin. Es fühlt sich gut an. Ob es gut ist, ob es auf Dauer gut tut, das fragt man in unserer schnelllebigen Zeit nicht. „Gut sein“ hat an Bedeutung verloren. „Gut fühlen“ ist heute wichtiger! Moralische Bedenken? Egal. Wichtig ist: Es fühlt sich einfach „irre gut“ an.

Das alles klingt, wenn ich es so vorlese, komisch und übertrieben. Aber es ist gar nicht so abwegig. Das sind schon alles Werte, die in unserer Zeit gelebt werden. Viele Menschen denken so, ohne es sich bewusst zu sein. Ich brauche Spaß, möglichst gleich und schnell. Ich brauche nicht nur Erfolg, ich brauche vor allem mehr Erfolg als die anderen. Ich muss besser sein, besser scheinen, besser aussehen, dünner sein, reicher sein, besseres Auto haben, was auch immer.

Seien wir ehrlich: Uns tut es doch auch gut, wenn wir uns unwichtige Sachen kaufen, einfach um sie zu haben. Wir freuen uns doch auch, wenn wir etwas besitzen, was der Nachbar nicht hat. Wir folgen doch auch dem Wahn, dass jeder immer noch besser hergerichtet und ausgestattet sein muss. Wir sehen auch die Reiseprospekte durch und lassen uns einlullen in die Illusion, dass der Urlaub desto schöner wird, je weiter weg das Urlaubsziel liegt.

Einen ganz anderen Ansatz von Glück gibt uns die Bibel. Ganz nüchtern und unspektakulär: „Wer auf das Wort [Gottes] merkt, der findet Glück; und wohl dem, der sich auf den HERRN verlässt!“

Da geht es offenbar um ganz andere Sachen. Und vielleicht sind ganz andere Sachen wichtig als die, die uns tagaus, tagein so beschäftigen. Schauen wir doch noch mal auf unsere vermeintliche Mittelmäßigkeit:

40 Jahre geschlafen, zwölf Jahre vor dem Fernseher gesessen, 40.000 Euro für Kleidung ausgegeben. Was sagt das schon aus? Gar nichts!

Es ist doch so: Die Dinge, auf die es im Leben wirklich ankommt, die lassen sich nicht in Statistiken festhalten. Wie oft hast du jemanden getröstet? Wie oft hast du dir ein böses Wort um des Friedens willen verbissen? Wie oft hast du dir Zeit genommen für Menschen, die dich brauchten? Wie oft warst du freundlich? Das lässt sich nicht messen. Oder anders: Wie erbärmlich ist derjenige, der so etwas mitschreibt, um es dann bei guter Gelegenheit seinen Mitmenschen unter die Nase zu halten.

Wir sind alle irgendwie auf der Suche nach Glück. Kann es aber sein, dass wir das Glück manchmal an den falschen Orten suchen? Kann es sein, dass uns die Medien und die Werbung falsche Wegweiser zum Glück aufstellen?

Berthold Brecht hat es sehr schön gereimt:
„Ja, renn nur nach dem Glück;
doch renne nicht zusehr.
Denn alle rennen nach dem Glück,
das Glück rennt hinterher.“

Nicht ganz im Sinne Brechts kann ich sagen: Manchmal machen wir es Gott ganz schön schwer, uns zum Glück zu verhelfen, weil wir überall sonst danach suchen als bei ihm. Weil wir uns sehr oft folgende Frage stellen: „Was fühlt sich irre gut an?“ Aber vielleicht sollten wir uns manchmal eine andere Frage stallen: „Was tut uns wirklich gut? Was ist gut?“

Es kommt einfach auf andere Dinge an. Das hat uns Jesus gezeigt. Mit seinem Leben. Mit seinem Leiden. Mit seinem Sterben. Und Gott hat am Ostersonntag „Ja, Amen“, „Ja, so ist es“ zu Jesus und seinem Weg gesagt. Gott hat am Ostersonntag bestätigt, dass dieser Weg der richtige Weg ist.

Amen